Propstei Braunschweig
11.07.18

Neue Orgel in Stöckheim kann laut und leise gespielt werden

Der Orgelbauer Florian Fay sorgt für ein besonderes Klangerlebnis auf kleinem Raum.

Einmal hat Gerd-Peter Münden vertretungsweise auf der Orgel in der evangelischen Kirche Stöckheim gespielt. Den Klang hat er bis heute nicht vergessen. "Ich habe noch nie auf einer so schlechten Orgel gespielt", sagt der Domkantor. Das Motorgeräusch sei so laut wie ein Staubsauger gewesen, die Töne hätten furchtbar schrill geklungen.
Doch das ist Vergangenheit. Bis Herbst baut Orgelbauer Florian Fay in dem kleinen Gotteshaus an der Oker ein neues Instrument, wie es in kleinen Dorfkirchen sonst so gut wie nie zu sehen ist. Münden begleitet den Bau als Gutachter.
"Die neue Orgel wird Elemente enthalten, die es normalerweise nur in Instrumenten in großen Kirchen gibt", erklärt Fay. Hierzu gehört ein so genannter Schwellkasten, der als Gehäuse um das Orgelinnere herum konstruiert wird. Durch das Öffnen oder Schließen der daran installierten Jalousien mit Vertikallamellen kann die Lautstärke reguliert werden. "So kann das ,O du Fröhliche' an Heiligabend in voller Lautstärke dröhnen, gleichzeitig können aber bei der Abendandacht sanftere Töne erklingen", sagt Manfred Schwartz aus dem Kirchenvorstand. Um leisere Töne anzustimmen, schränken Organisten im Normalfall die Anzahl der Register ein, reduzieren damit aber die Klangfarben. Mit der Schwellkasten-Lösung und bleiverstärkten Türen bleibt dagegen der volle Klanggenuss erhalten.
Finanzierbar war sie für die Gemeinde auch, weil ihr Florian Fay ein gutes Angebot gemacht hat. Für den Orgelbauer wird das Instrument ein Referenzobjekt. Bisher hat er lediglich alte Orgeln restauriert. Das Projekt in Stöckheim ist für ihn der erste Neubau. Nur einige Holzpfeifen der alten Orgel wurden aufgearbeitet und wieder eingebaut.
Eingeweiht werden soll das neue Instrument im Herbst. Dann werden die Besucher gespannt in die Kirche strömen. Kommen nur wenige, wird der Schwellkasten geschlossen. Ist das Gotteshaus voll, wird der volle Klangkörper zum Einsatz kommen.


Verfasser: Henning Thobaben, Brg. Zeitung