Propstei Braunschweig
08.09.18

Pröpstin Uta Hirschler am 08. September 2018 in der nb

Chancengleichheit

Harry Potter und sein Halbbruder Dudley sind zwei richtig gute Beispiele für einen Gegensatz, der sich auch durch unsere Braunschweiger Schulen zieht: Der eine, Dudley, hat 37 Geburtstagsgeschenke bekommen und kann sich gar nicht richtig über irgendeines davon freuen. Im Grunde ist er fast ausschließlich damit beschäftigt seine Eltern an den Geschenken des Vorjahres zu messen.
Harry dagegen erwartet gar nicht erst ein Geburtstagsgeschenk. Er weiß ohnehin, dass es für ihn weder Besuch noch Feier gibt und kein Geld ausgegeben wird. Dennoch hätte es ihn sehr gefreut, wenn wenigstens ein Familienmitglied an seinen Geburtstag gedacht, ihm gratuliert und alles Gute gewünscht hätte.
Im Roman ist die Ungerechtigkeit gut zu verkraften, schließlich ist Harry der Serienheld. Die Sympathie der Leser fliegt ihm zu wie im Lauf der Zeit auch die der meisten Schulgefährten. Ihm gelingt alles und ehe er in Hogwarts eingeschult ist, endet auch sein Leben als armer Junge. In der Zaubererwelt hat er das üppige Erbe seiner Eltern zu Verfügung. Im realen Leben bleibt dieser Ausgleich der Gerechtigkeit jedoch aus.
Gerade erzählte mir eine Lehrerin welche Herausforderung Geburtstage in ihrer Grundschulklasse sind. Eigentlich ist es schön, wenn das Geburtstagskind erzählen darf, was es an diesem Tag besonders freut, zum Beispiel wen es einlädt und was es bekommen hat. Aber manchmal prallen da sehr verschiedene Welten aufeinander. Ein Kind erzählte voller Stolz, dass es einen neuen Schlafanzug bekommen hat, den seine Eltern ihm ausgesucht hatten. Da fragten die anderen: „Und was noch?“ Den Wert dieses größtmöglichen Geschenkes hatten sie nicht verstanden. Wer wollte an seiner Stelle stehen und „Nichts“ antworten? Der Lehrerin blieb die Mitfreude im Hals stecken. Seither werden alle nur noch nach der einen allerschönsten Sache gefragt. Hoffentlich sind alle Nächsten zur Mitfreude fähig.


Verfasser: Pröpstin Uta Hirschler