Propstei Braunschweig
06.10.18

Pröpstin Uta Hirschler am 6.10.2018 in der nb

Anders gewachsen ….

Äpfel und Zwetschgen, auch Birnen sind reichlich zu finden in diesen Tagen an Niedersachsens Landstraßen. An manchen Stellen stehen abgeerntete Obstbäume. Viel öfter aber sind Bäume voll reifer Früchte zu finden, denen schon reichlich Fallobst zu Füßen liegt. Im herbstlichen Sonnenlicht leuchten rote Äpfel, gelbe Birnen und blaue Zwetschgen. Am Boden teilen sich Schnecken und Wespen mit denen die Beute, die Menschennähe meiden und schnell das Weite suchen.
Zwetschgen oder Birnen für Kuchen, Mus oder Marmelade, Äpfel zum Lagern, Dörren oder Einkochen; all das gibt es hier, aber das Obst vergammelt. Die Frage bleibt offen, ob die Bäume an diesen Landstraßen von ihren Besitzern oder Baumpaten vergessen wurden oder ob das Obst ihnen wertlos geworden ist. Vielleicht waren sie auch einfach der Allgemeinheit zugedacht, als sie vor Jahrzehnten gepflanzt wurden.
Wer davon aufhebt, wird süßes und saures Obst finden, und jede Frucht auf Würmer untersuchen vor dem Hineinbeißen. Dafür lassen sich leicht verschiedenste Sorten für ganz verschiedene Verwendungen finden.
Der Anblick all diesen Obstes ruft eine Dokumentation aus dem Frühjahr in Erinnerung. Da ging es um Qualitätsanforderungen der gängigsten Apfel-Sorten für den Vertrieb im Supermarkt: Die zu verkaufenden Äpfel müssen perfekt sein. Entsprechen sie in Größe oder Farbe nicht genau der geforderten Norm, gelangen sie nicht in den Verkauf. Wertschätzung für das Obst an sich ist mit den wirtschaftlichen Anforderungen kaum zu vereinbaren. Das gute Obst hier an der Straße ist nach diesen Kriterien wertlos.
Die Erde hat im heißen Sommer reichlich Obst hervorgebracht, vieles liegt sicher unter der Normgröße, nährt aber dennoch. Morgen ist Erntedankfest, Gelegenheit Gott zu danken für all das, was wachsen konnte.






Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin