Propstei Braunschweig
13.10.18

Was gut tut

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hört seinen Worten zu. Das macht sie manchmal, wenn in der Spätschicht nicht allzu viel zu tun ist. Wenn sie alle Patienten versorgt und die Tabletts mit dem Abendessen abgeräumt hat. Während ihre Kollegin die Medikamente für die Nacht sortiert, setzt Maria sich ans Krankenbett. Abends sind die Patienten oft sensibel. Wenn die Familien gegangen sind und die Kinderzeichnungen auf den Nachttischen zusammengefaltet werden. Dann kreisen die Gedanken. Und die Sorgen schwirren unter den Neonröhren. Manchmal kommen die Tränen. Maria weiß, dann gilt es zuzuhören. Und einfach da zu sein. Ein paar Minuten. Das tut gut.

»Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hört seinen Worten zu. Und die Arbeit?« Schwester Marta ärgert sich ein bisschen. Abends sind sie nur zu zweit auf Station. Sie schaut auf den Flur. Alles ruhig. Sie denkt an den Herrn, bei dem Maria jetzt sitzt. Heute Morgen war er auf der Straße gestürzt. Die Notärztin hat ihn hergebracht. Dass sein Fuß gebrochen ist, war für ihn fast nebensächlich. Als er auf Station kam, war er durcheinander. Er hatte keine Wechselsachen dabei und keine Zahnbürste. Und auf die Schnelle fiel ihm auch seine eigene Telefonnummer nicht ein, um seine Frau anzurufen. Marta weiß, dann gilt es eine Tasse Tee zu bringen. Sie legt ein Nachthemd zurecht, organisiert die Untersuchungen und bringt das Telefonbuch. Etwas Normalität schaffen. Das tut gut.

Was tut gut? Wenn ich krank bin, brauche ich beides. Nicht nur mein Körper schmerzt. Auch meine Seele. Es ist notwendig, dass einer da ist, der zuerst den Tee bringt und das Bett aufschüttelt. Und dann ist es notwendig, dass eine da ist, die mir zuhört. Erst eine Marta und dann eine Maria.









Verfasser: Pfarrerin Maria Schulze, Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Braunschweig