Propstei Braunschweig
20.10.18

Unteilbar – verbunden im Glauben

Neulich zu Besuch in unserer englischen Partnerkirche der Diözese Blackburn der Church of England. Wo wir hinkommen Interesse an uns, freundliche Aufnahme, intensive Gespräche. Reisen bildet und es schafft Begegnung. Und die wiederum schafft Beziehung, Verbindung, gegenseitiges Kennenlernen, Wertschätzen, Abbau von Ängsten und Vorbehalten. Denn obwohl wir gar nicht so weit voneinander entfernt leben im Weltmaßstab gesehen, so sind wir doch sehr unterschiedlich in unseren Traditionen, in unseren Prägungen, unserer Sicht aufs Leben, in der Art und Weise, unseren Glauben zu leben. Und doch ist da ein verbindendes Band durch den christlichen Glauben. Trotz aller Verschiedenheit sind wir durch den einen Gott verbunden als eine Gemeinschaft. Das ist dort allen klar, denen wir begegnen. Es ist ihnen ein Anliegen und es gehört selbstverständlich zu ihrer Glaubenspraxis, dass für die Schwestern und Brüder in Braunschweig, der Partnerkirche, in ihren Gottesdiensten und Zusammenkünften gebetet wird. Sehr bewegend für mich und ein einfacher, aber doch inniger Weg sich verbunden zu fühlen.
Wieder zuhause lese ich von der Bewegung „#unteilbar“ und ihrer großen, gelungenen Demonstration letzten Sonntag in Berlin. Menschen dokumentieren, dass eine Vielfalt der Herkünfte, Hautfarben, Religionen und Lebensstile ist für unsere Gesellschaft eine Bereicherung ist und keine Bedrohung. Dass jedem Menschen auf dieser Erde, und damit auch bei uns in Deutschland, universelle und unteilbare Rechte zustehen: Zu denken und zu sagen, was man möchte; zu glauben, an wen man möchte; geschützt zu sein vor Folter oder Verfolgung; zu heiraten, wen man liebt. Eine große Idee! Hass dagegen schadet dem gesellschaftlichen Zusammenleben, Solidarität statt Ausgrenzung ist angesagt, weil Mitmenschlichkeit nicht verhandelbar ist.
Ich freue mich, dass die Kirchen auch in der Bewegung dabei sind. Denn wir haben als Christinnen und Christen etwas dazu zu sagen. Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes und damit gleich und das Mühen um versöhnte Verschiedenheit gehört zum Leben dazu – nicht nur in der Begegnung mit den Partnerkirchen, sondern auch vor der eigenen Haustür.

Verfasser: Pfarrer Jens Paret