Propstei Braunschweig
31.10.18

Pröpstin UtaHirschler - Wort zum Reformationstag

Und heute?

„Wie viel Veränderung verträgt eine Gesellschaft?“ Die Frage passt zum morgigen Feiertag ebenso wie in die politische Landschaft. Für manche ist damit das Ziel verbunden, sich abzugrenzen, um die eigene Identität zu wahren. Andere verbinden fast das Gegenteil damit. Sie wollen mit ihrer eigenen Identität die Veränderung verantwortlich gestalten und sich dieser keinesfalls abwartend aussetzen. „Selig sind die Friedenstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ – Die Seligpreisungen aus der Bergpredigt (Matthäus 5) gehören als Evangeliumslesung zum Reformationstag. Sie unterscheiden nicht zwischen Kirchenmitgliedern und Atheisten, Juden und Christen, evangelisch und katholisch. Sie rufen auf zu verantwortungsvollem Einsatz füreinander.
Mich hat die Frage nach dem verträglichen Maß an Veränderung überrascht bei einem Besuch im Hamburger Stadtteil St. Georg mit seiner Vielfalt an religiösen, kulturellen und ethnischen Gruppen. Auf den zweiten Blick ist die Frage dort erwartbar. Denn im Stadtteil – nur noch dem Namen nach vom Christentum geprägt – treffen gegensätzliche Wertvorstellungen und Lebensgewohnheiten aufeinander. Wie sorgen Menschen, die zunächst nichts voneinander wissen oder miteinander teilen dafür, dass sie notfalls füreinander eintreten und sich gegenseitig Hilfe leisten? Friedlich zusammenzuleben ist für viele ein Ziel. Dafür gibt es gute Gründe neben dem einen, dass alle Menschen als Gottes Ebenbilder anzusehen und zu bewerten sind. Die Antwort zum Weg des Zusammenlebens ist einfach und schwierig zugleich: Die Menschen müssen sich kennen- und schätzen lernen mitsamt ihrer Verschiedenheit. Dann können und werden sie einander wertschätzen und schützen. Wenn das gelingt, ist es gut zu leben.









Verfasser: Pröpstin Uta Hirschler