Propstei Braunschweig
10.11.18

Erinnern und Gedenken

Blumen und Kerzen stehen auf dem Weg. Sie stehen vor den Stolpersteinen, diesen viereckigen Messingplatten im Straßenpflaster. Die Stolpersteine tragen Namen und Daten von Menschen, die einst in den Häusern gewohnt haben. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden sie deportiert.
Am 9. November liegt die Reichspogromnacht 80 Jahre zurück. Das ist eine lange Zeit. Mehr als eine Generation! Nur noch wenige haben die Zeit selbst miterlebt und können davon erzählen.
Deswegen brauchen wir die Stolpersteine als Gedenkorte, um an die Vergangenheit erinnert zu werden. Wir bleiben stehen, stolpern – und gehen verändert weiter. Das schärft unseren Blick für die Gegenwart.
Der November ist angefüllt mit solchen Gedenkorten und Gedenktagen. Auch der 11.11. ist so ein Gedenktag. Und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht. Es ist nicht nur der Beginn der Faschingszeit, sondern auch der 100. Jahrestag des Waffenstillstands von Compiègne: das Ende des 1. Weltkrieges. Deswegen werden am Sonntag weltweit die Glocken geläutet. Auch sie sind ein Zeichen des Gedenkens: der Opfer des Krieges, aber auch der Versöhnung zwischen den Völkern.
Angesichts der Erinnerung an solch’ düstere Zeiten braucht es manchmal ein Licht. Es ist ein Symbol dafür, dass die Liebe überwiegt. „St. Martin, St. Martin“ singen die Kinder mit ihren Laternen. Sie vertreiben die Dunkelheit mit ihrem Gesang und ihren Kerzen. Mit ihnen hoffe auch ich auf die Nächstenliebe. Eine Liebe, die den Frieden unter die Menschen bringt.

Verfasser: Pfarrerin Johanna Klee