Propstei Braunschweig
29.11.18

Ein Altartuch mit langer Geschichte

Es schmückt nun die Friedhofshauptkapelle

Ein lange verschollenes und glücklich wiedergefundenes Altartuch hat nach aufwendiger Restaurierung seinen neuen Platz gefunden. Es schmückt seit diesem Totensonntag den Altar der Friedhofshauptkapelle.
Die Eigentümerin, die Braunschweiger Domgemeinde, überlässt das Tuch der Friedhofsverwaltung als Dauerleihgabe. Das rote Altartuch (lat. Antependium) entstand 1898 im Auftrag des Baurates Pfeiffer, damals auch Beauftragter des Domes St. Blasii, in der Paramentenwerkstatt des Klosters St. Marienberg bei Helmstedt.
Aus Seidendamast gearbeitet, gilt es als außergewöhnliches Beispiel für die Textilkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Motiv des Altartuchs ist das Lamm Gottes (lat. Agnus dei). Das Osterlamm mit Siegesfahne ist ein Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Die Botschaft: Der Tod hat nicht das letzte Wort.
Aufgesetzte Bordüren und Goldstickereien gliedern die Randbereiche des Paramentes und umrahmen das zentrale Medaillon. Gefasste Schmucksteine und eine goldene Metallfransenborte komplettieren die Komposition. Während des Zweiten Weltkriegs haben die Braunschweiger Kirchengemeinden viele ihrer Kirchenkunstschätze ausgelagert. Etliches blieb nach dem Kriege verschwunden, war gestohlen oder vergessen worden.
Dass einiges, wie das rote Altartuch, glücklich wiedergefunden wurde, ist in erster Linie das Verdienst von Pastor Wolfgang Jünke. Er entdeckte das Antependium in der Wicherngemeinde Lehndorf, und zwar in einem Schrank auf dem Dachboden.
Eine schöne Geschichte, die da Pastor Peter Kapp und der Leiter des Friedhofsamtes, Guido Haas, den Besuchern der Andacht erzählten. Danach durften alle nähertreten und die Schönheit des Antependiums bewundern. Dank der Kunst der Restauratorin in Marienberg eine wiedergewonnene Schönheit, die hervorragend zur gründerzeitlichen Kapelle passt.


Verfasser: Harald Duin, Braunschweiger Zeitung