Propstei Braunschweig
01.12.18

Pröpstin Uta Hirschler am 1.12.2018 in der nb

Wer kommt?

Der Weihnachtsmarkt ist eröffnet, der erste Grünkohl in Gesellschaft der Riddagshäuser Bürgerschaft zum Jubiläum genossen; die Vorfreude aufs Plätzchen-Backen und Wohnung-Schmücken steigt; der erste Advent kann kommen: Jesus zieht in Jerusalem ein.
Menschen am Straßenrand hofften damals. Vielleicht jubelten sie Jesus zu, wie wir es heute von Anhängern Trumps, Bolsonaros oder anderer kennen, die mit hohen Erwartungen kurz hochgejubelt werden und dann die Gesellschaft spalten.
Menschen sehnen sich nach Halt, Orientierung und Gelassenheit. Der Neurobiologe Gerald Hüther schreibt, dass es um eine innere Vorstellung davon gehe, „was für ein Mensch jemand sein will.“ Und weiter: „Für diese Orientierung bietende, vor jeder Art von Durcheinander im Hirn schützende und deshalb den Energieverbrauch dauerhaft reduzierende Vorstellung gibt es im Deutschen einen wunderbaren, wenngleich fast schon vergessenen Namen: Würde.“
Der Jubel des Einzugs kippt schnell in die Ablehnung des „Kreuzige ihn!“. Das ist heute nicht anders als damals. Das liegt auch daran, dass die Menschen nur zum Teil wissen, welchen Entwicklungen sie zujubeln und welchen Zielen sie nachjagen. Wollen wir wirklich haben, was wir bejubeln? Jesus nahm die Einzelnen ernst, fragte: „Was willst Du, dass ich Dir tun soll?“ Es ist eine Einladung, die eigene Vorstellung davon zu entwickeln, was für ein Mensch jemand sein will.
Im Alltag verletzen Menschen oft auch die eigene Würde. Hüther beschreibt, wie dazu gesellschaftliche Erwartungen beitragen. Kaum anders als damals in Jerusalem.
Da ist der Advent willkommen als eine Zeit, Antworten zu formulieren auf die Frage, was ein Selbst braucht, um zu werden, was es sein will; zum Beispiel eine Person, die in Frieden mit sich selbst und anderen lebt.







Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin