Propstei Braunschweig
08.12.18

Pröpstin Uta Hirschler am 8. Dezember in der nb

Zeit

Die Lebenserwartung ist in der westlichen Welt kontinuierlich gestiegen. Nur in den USA sinkt sie derzeit. Hoher Drogenkonsum und die gestiegene Selbstmordrate werden dafür als Ursachen genannt. Für männliche US-Amerikaner liegt die Lebenserwartung derzeit bei durchschnittlich 76,1 Jahren. Dieser Tage las ich den Text des 76jährigen US-amerikanischen Moderators Garrison Keillor. Er setzt sich damit auseinander, eben dieses Alter und somit sein eigenes Verfallsdatum erreicht zu haben. Dabei, so kokettiert er zu Beginn, habe er doch bisher noch nicht herausgefunden, was Sinn und Ziel seines Lebens sei, weshalb Regentage ihn glücklich machten und wo seine Brille läge.
Da beschäftigt ihn auch die Existenz der chinesischen Klonbabies. Die Möglichkeit Menschen in die Welt zu setzen, die intelligent, allergiefrei, ohne Tendenz zu Abhängigkeiten und überhaupt in jeder Hinsicht gesund sind, macht den Umgang mit den Gebrechlichkeiten und Begleiterscheinungen des Alters nicht einfacher. Zudem verkennt sie, dass 87% aller Behinderungen durch Krankheit oder Unfall verursacht werden. Selbst die optimalen Voraussetzungen schaffen demnach kein automatisch sorgenfreies, erfolgreiches oder glückliches Leben.
So bleibt es die Herausforderung, mit allem Unvorhergesehenem und Schwerem im Leben zurechtzukommen, damit den eigenen Frieden zu finden und trotz allem glücklich zu leben. Das statistische Datum der Lebenserwartung gibt denen, die es erreichen einen Hinweis auf diese Aufgabe für die darüber hinaus geschenkten Jahre. Für alle anderen stellt sich die Frage umso mehr. Denn es wäre ja schade, wenn das Leben vorbei ist, bevor der Mensch Zielen folgt, die wirklich lebenswert sind.







Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin