Propstei Braunschweig
13.12.18

Afrikanische Krippe voller Symbolik

In der Kreuzkirche zieht ein in Tansania geschnitztes Boot die Blicke auf sich

Auf einen Weihnachtsbaum wird in diesem Jahr in der Kreuzkirche in Alt Lehndorf verzichtet. "Diese Krippe ist so speziell, sie soll im Mittelpunkt des Interesses stehen", erklärt Kreuzgemeinden-Pfarrer Christian Anton. Die besondere Krippe zeigt das Jesuskind mit seinen Eltern und den drei Königen nicht in einem Stall, wie in unserem Kulturkreis üblich, sondern in einem Sklavenboot.
Das Kunstwerk wurde in den 1990er-Jahren von einem Schnitzer vom Stamm der Wamakonde im Süden Tansanias in Afrika geschnitzt. Die Bootskrippe ist an prominenter Stelle vor dem Altar der Kreuzkirche aufgestellt, vor der bemalten Apsis des Gotteshauses.
Das Boot, ein inklusive Figuren aus einem Mahagonistamm herausgearbeiteter Einbaum, beherbergt die heilige Familie mit Maria, Joseph und dem kleinen Christuskind. Zwischen die festgeketteten Sklaven haben sich Engel gesellt, sie nehmen teils die gleiche Haltung ein wie die Sklaven, nur einer steht aufrecht, er verkündet anscheinend die frohe Botschaft der Menschwerdung Gottes. Er wird unterstützt durch einen Posaunisten am Bug in ungewöhnlicher Haltung. Ihm streichelt eine Hand über den Kopf - "vielleicht die Hand Gottes?", vermutet Pfarrer Anton.
Neben den Sklaven knien die drei Könige. "Nach der Art der Darstellung können wir vermuten, dass nur einer von ihnen weiß ist, und der befindet sich hinten, ganz anders, als wir es hierzulande aus Darstellungen kennen", weist Anton auf eine weitere Besonderheit hin.
Er selber hat die Krippe vor 22 Jahren für die evangelisch-lutherische Landeskirche aus einem Benediktinerkloster in Unterfranken nach Braunschweig geholt, erst als Leihgabe der Mönche, hier sammelte er 10.000 D-Mark, um das Kunstwerk schließlich kaufen zu können. "Die Benediktiner betreiben seit mehr als 100 Jahren Missionsarbeit in Tansania", berichtete Anton, der das Kunstwerk damals während einer Tagung in dem Kloster sah und sich in dieses besondere Stück sofort verguckte.
"Interessant ist, wie sich hier Geschichte, Träume und Mythen der Afrikaner mit christlichen Motiven verbinden und welche starke Strahlkraft dieses Kunstwerk gerade in unserer heutigen Zeit hat", findet der Pfarrer und betont: "Diese Krippe fordert uns heraus, sie ist aber auch ein Symbol für Solidarität, Hoffnung und Glaube."
Ganz auf einen Weihnachtsbaum auf dem Kirchengrundstück müssen die Gemeindemitglieder nicht verzichten. Ein Baum wird in Kürze vor dem Gotteshaus aufgestellt.


Verfasser: Karsten Mentasti, Braunschweiger Zeitung