Propstei Braunschweig
15.12.18

Pröpstin Uta Hirschler am 15.12.2018 in der nb

Unerschrocken

Als der Arzt Dr. Denis Mukwege diese Woche mit der jungen Jesidin Nadia Murad den Friedens-Nobelpreis erhielt, dachte ich an die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Namibia 2017. Dort war er der Hauptredner und ich war beeindruckt, ihm zuzuhören: Ganz simpel leitete er seine Lebensgeschichte aus seinem Empfinden der Liebe zum Nächsten ab.
Er ist Christ. Sein Vater war Pfarrer. Als 8jähriger begleitete er den Vater zu Krankenbesuchen. Er spürte wie der Vater etwas Wichtiges tat. Er verstand aber nicht, warum er für die Menschen betete, ohne ihnen Medizin zu geben. Kranke brauchen beides, Gebete und Medizin. Das sah und fühlte er als Kind. Daher wurde er Arzt; Kinderarzt zuerst, um gegen die Kindersterblichkeit zu kämpfen. Später rührte ihn die Müttersterblichkeit noch mehr an. Da wechselte er in die Gynäkologie. Heute ist er „Experte für rekonstruktive Chirurgie nach inneren Verletzungen infolge sexueller Gewalt“. Es ist schlicht unerträglich und unvorstellbar, was da nötig ist, und was Menschen imstande sind anderen anzutun.
Dr. Mukwege hat über die Jahre aufgezeigt und öffentlich angeprangert, wie in den ethnischen und wirtschaftlichen Machtkämpfen und Kriegen in Afrika sexuelle Gewalt systematisch als Kriegswaffe eingesetzt wird, um Bevölkerungsgruppen zu erniedrigen, auszulöschen und zu enteignen. Gleichzeitig leistet er mit dem Betrieb des Krankenhauses in Bukavu wirksame Hilfe – trotz mancher Bedrohungen.
Für Dr. Mukwege ist klar, dass die Ursache dieser Gewalt in der Missachtung von Frauen liegt. Er hat die Theologien angeprangert, die Frauen auf wenige Rollen, zum Beispiel die der Gebärerin reduzieren. Luthers Gedanke vom Priestertum aller Getauften erscheint Dr. Mukwege daher wegweisend. Denn hier sieht er jede Person in der Fülle ihrer Möglichkeiten geachtet. So kann Frieden werden und sexuelle Gewalt als Kriegswaffe geächtet.


Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin