Propstei Braunschweig
22.12.18

Pröpstin Uta Hirschler am 22.12.2018 in der nb

Geschätzte Geschenke

Das schönste Weihnachtsgeschenk! Werbung und Phantasie, Liebe und eigene Ansprüche treiben die Erwartungen und Anforderungen an ein Weihnachtsgeschenk – wie jedes Jahr – ins Unermessliche. Es soll gefallen und überraschen, nützlich und etwas Besonderes sein; nicht überteuert und protzig, aber der beschenkten Person entsprechen und ihr Fühlen, wenn nicht gar Sehnen, treffen. Es soll nicht im Stress erworben, aber auch nicht übers Jahr schon verstaubt sein; weder ein Gutschein noch mit Sicherheit dem Umtausch geweiht.
Das richtige Weihnachtsgeschenk zu finden, ist also offensichtlich eine Unmöglichkeit; die Schenkenden bei ihrer Suche danach zum Scheitern verurteilt. Grund dafür ist die beschriebene, unerfüllbare Sehnsucht. Ihr folgen alljährlich Anspannung, viel zu vielerorts auch Enttäuschung und Streit. Das Weihnachtsfest selbst droht daran zu Scheitern und zeigt uns genau darin seine wahre Bedeutung: Weihnachten[H1] kommt sowieso.
Die biblischen Prophezeiungen und Erzählungen brauchen nicht viel Phantasie um die Weihnachtserzählung zu dem auszuschmücken, was sich in vielen Geschichten findet:
Stinkende Hirten und gierig-patzige Wirte, ein selbstbezogen-eifersüchtiger, nicht einmal vor Kindermord zurückschreckender Herrscher und ein Neugeborenes, das als Erwachsener an genau dieser Welt zugrunde gehen wird.
Gold, Weihrauch und Myrrhe änderten oder retteten das Leben des Neugeborenen nicht nachhaltig und waren doch für die Schenkenden „ihre Schätze“. Als solche waren sie angemessene Geschenke für das Neugeborene. Das legt den Schluss nahe, dass es höhere Anforderungen an Weihnachtsgeschenke heute auch nicht braucht.


Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin