Propstei Braunschweig
19.01.19

Pröpstin Uta Hirschler am 19.01.2019 in der nb

Blick aufs Glück?

Wenn Sie dies lesen wird eine Ausstellung im Dom eröffnet sein, auf die ich jetzt beim Schreiben noch gespannt bin: „wohnungslos. Leben in Braunschweig“ heißt sie und wird Bilder unserer Stadt zeigen, die Menschen fotografiert haben, die anders in unserer Stadt leben als die meisten von uns. Denn sie haben kein festes Dach über dem Kopf: „Die fotografische Sicht wohnungsloser Menschen auf Braunschweig.“
Ich bin gespannt, was sie uns zeigen und wie sie es zeigen. Stellen sie schöne Seiten unserer Stadt in den Mittelpunkt ihrer Bilder? Oder zeigen sie uns die Hindernisse ihres Lebens? Werden wir eingeladen, Stolz auf diese Stadt, die Lust zu Leben oder die Not des Überlebens mitzufühlen?
Gäste aus der Suppenküche meiner Praktikumsstelle im New York der 90er Jahre fallen mir ein. 2000 Essen pro Woche wurden dort verteilt an Menschen, die dafür stundenlang anstanden: Ein großer Becher Suppe, dazu für abends belegte Brote und der Wunsch für einen guten Tag; manche stellten sich zweimal an und hofften nicht erkannt zu werden. Denn dann wurden sie weggeschickt, damit möglichst wenige leer ausgingen. Hunger kannten sie alle und waren doch so voll Freude über das wenige, was sie bekamen.
Einmal sah ich einen von ihnen ein paar Straßen von der Gemeinde entfernt beim Betteln am Straßenrand. Ich grüßte ihn und sprach ihn an. Da freute er sich wie ein Kind, weil ich ihn erkannt hatte und bereit war, die paar Worte mit ihm zu wechseln. Über seine Dankbarkeit und Lebensfreude konnte ich nur staunen. Sie sind mir in Erinnerung geblieben und lassen mich bis heute wissen: Schätze auf dem Weg zum Glücklichsein, gibt es mehr als nur die momentane Abwesenheit von Armut und Not. Sie können unerwartet sein und anderen kaum wahrnehmbar. Und genau deshalb bin ich gespannt zu wissen: Was haben andere im Blick?













Verfasser: Pröpstin Uta Hirschler