Propstei Braunschweig
26.01.19

Weihnachten schon abgeräumt?

Wenn ich momentan abends bei uns im Magni- oder Bahnhofsviertel unterwegs bin, dann sehe ich viele Wohnungsfenster, aus denen mir noch weihnachtlicher Glanz entgegenstrahlt: Beleuchtete Sterne und Lichterketten sind da zu sehen. Wie schön, denke ich mir dann, dass auch vier Wochen nach dem Weihnachtsfest nicht alle Spuren besenrein entsorgt sind, sondern noch etwas von dieser Heiligen Zeit zu entdecken ist.

Zugegeben gilt das weniger für den Tannenbaum, der, scheinbar verspätet zur Baumabfuhr herausgestellt, nun traurig und einsam am Magnikirchplatz vor sich hin nadelt. Alba, erbarme dich!

Aber etwas weihnachtlichen Glanz für das noch junge neue Jahr, das mit seinen Routinen und Aufgaben, den kleinen und größeren Katastrophen schon wieder kräftig nach uns greift, finde ich einfach passend, weil … ja weil für mich dieser große Gott im kleinen Kind sich nicht einfach abräumen lässt, sondern einer für alle Tage ist.

Wo wir jetzt dabei sind, Weihnachten allzu ordentlich einzupacken, sei es uns noch einmal gesagt: Es liegt an uns selbst, welches Gewicht dieser Jesus auch nach Weihnachten für unser Leben hat. Der dazu aufrief, Freunde und Feinde zu lieben. Der Ausgegrenzte und Außenseiter in seine Gemeinschaft holte. Der Diskussionen und Streit nicht scheute, gerade dort, wo Meinungen und Weltanschauungen verschieden waren. Der Menschen daran erinnert hat, dass sie bei Gott mehr sind, als sie selbst in sich sehen oder aus sich machen können.

Ich glaube: Die Geschichte, die mit dem göttlichen Kind im Stall beginnt, ist mit ihrem Glänzen für unsere Welt viel zu wichtig, als dass man sie mit der üblichen Weihnachtsdekoration einfach so einmotten kann. Weil sie von Gott erzählt, der uns auch durch dieses Jahres begleiten wird. Der mehr ist als weihnachtliche Folklore und nicht nur an Heiligabend auf uns wartet.

Verfasser: Pfarrer Henning Böger, St. Magni