Propstei Braunschweig
26.01.19

Pröpstin Uta Hirschler am 26. Januar in der nb

Frieden

Neulich erreichte mich die Mail einer Studienfreundin, die ich jahrelang nicht gesehen und zu der ich kaum Kontakt gehalten hatte. Sie war nach Braunschweig zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden und fragte, ob sie bei uns übernachten könne. Als sie dann bei uns war, war das eine Freude. Es gab so viel zu erzählen über längst erwachsene Kinder und den jetzigen Alltag, über die berufliche Situation und ihre Einschätzung neuer Möglichkeiten. Ganz schnell hatten wir die Situation der jeweils anderen vor Augen. Wir freuten uns mit und fühlten mit an dem, was im Leben der anderen inzwischen wichtig geworden war und an dem, was sie zu hoffen und zu befürchten hat.
Plötzlich war offensichtlich: Es ist ganz leicht und wunderschön, an alte Beziehungen anzuknüpfen. Wenn das Interesse da ist und sich die Gelegenheit bietet, braucht es nur Zeit zum Erzählen und Zuhören. Schon steht die Tür offen, alte Beziehungen aufzugreifen und neu zu pflegen.
„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Die Worte aus dem Tugendkatalog im 12. Kapitel des Römerbriefes fielen mir ein. Manchmal habe ich den Satz schon als fordernden Anspruch erlebt. Dieses Mal aber war die Bereicherung des „Mitfreuens“ und „Mitweinens“ so fühlbar und überzeugend. Da war nichts Forderndes mehr, sondern stattdessen die Verheißung gelingender Begegnung und der Möglichkeit zu Neuanfängen wirksam. Bei allen Drohszenarien, Taktierereien und bei aller Eskalation in unserer Welt finde ich das eine richtig gute Perspektive. In ganz schlichter Weise behauptet so eine kleine Begebenheit: Frieden ist möglich. – So darf es gerne sein.








Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin