Propstei Braunschweig
05.03.19

Gefahr für die demokratische Kultur

Bundesbeauftragter Dr. Felix Klein warnt im Dom vor Antisemitismus

Felix Klein bei seinem Festvortrag im Braunschweiger Dom.

Abend der Begegnung im Landesmuseum.

Landesbischof Meyns und Bundesbeauftragter Klein.

Landesbischof Meyns hielt die Andacht im Dom.

Braunschweig. Der Antisemitismus ist eine Gefahr für unsere demokratische Kultur und öffnet auch anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit Tor und Tür. Diese Auffassung vertrat Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland, beim „Abend der Begegnung“ der Landeskirche Braunschweig am 5. März im Braunschweiger Dom. Der Antisemitismus sei kein Fremdkörper unserer Kultur, sondern tief in ihr verwurzelt. Das führe auch heute noch zu antisemitischen Übergriffen, so Klein.

Der Bundesbeauftragte warnte davor, unbedacht vom „christlich-jüdischen Abendland“ zu sprechen. Dadurch entstehe die Gefahr, dass der Antisemitismus negiert werde. Gleichzeitig könne das Schlagwort zur Diskriminierung von Muslimen beitragen.

Vor diesem Hintergrund forderte Klein die Übernahme von historischer Verantwortung für die Verbrechen, die an der jüdischen Bevölkerung verübt wurden. Notwendig sei außerdem ein Bewusstsein für die unterschiedlichen Ausprägungen von Antisemitismus in den verschiedenen Bereichen unserer Kultur. Zudem sei Respekt vor der religiösen und kulturellen Eigenständigkeit der Juden sowie ihrer Leistungen gefordert.

Klein sprach sich darüber hinaus für ein bundesweites dezentrales Meldesystem aus, das nicht nur antisemitische Straftaten, sondern auch antisemitische Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze verzeichnet. Als Definition von Antisemitismus bezeichnete Klein den „Hass gegenüber Juden“ sowie diesbezüglich motivierte Angriffe auf Personen oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Institutionen und Einrichtungen.

Klein bescheinigte der evangelischen Kirche, dass sie sich entschieden vom Antisemitismus distanziert habe: „Damit hat sie glaubhaft und zukunftsorientiert Verantwortung übernommen.“ Er lobte in diesem Zusammenhang die Initiativen des jüdisch-christlichen Dialogs im Braunschweiger Land.

Landesbischof Dr. Christoph Meyns kritisierte in seiner Andacht eine Lücke zwischen der Intensität, mit der wir den wissewnschaftlichen Fortschritt vorantreiben, und dem geringen Aufwand, mit dem wir die davon berührten anthropologischen und ethischen Fragen bearbeiten. Er erinnerte daran, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Jede Diskussion über die Menschenwürde führe uns kulturell weiter, so der Landesbischof. Und jedes ethische Versagen, etwa im Umgang mit Minderheiten oder Schwachen, führe in Verhältnislosigkeit, Barbarei, Zerstörung und Selbstzerstörung.

Festrede Dr. Felix Klein im Wortlaut

Andacht Landesbischof Dr. Christoph Meyns im Wortlaut

Verfasser: Michael Strauss


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