Propstei Braunschweig
09.03.19

Iss mal was Neues

Ich mache das. In den nächsten zwei Wochen wage ich ein Experiment. Pünktlich zu Beginn der Fastenzeit mache ich mal etwas anders als sonst. Ich werde mittags in einer Kirche essen. Zusammen mit Menschen, die ich nicht kenne und sonst vielleicht auch nicht treffen würde. Zugegeben, im ersten Moment klingt das unbequem. Ich hab’s eigentlich gern gemütlich. Doch ich habe mir gesagt: „Mensch Maria, raus aus der Komfortzone. Du bekommst einen neuen Blick auf die Menschen in deiner Stadt und du erweiterst deinen Horizont.“
Morgen geht’s los. Die Tische sind gedeckt. Mitten im Kirchenschiff der Brüdernkirche. Die ist in den nächsten zwei Wochen eine Vesperkirche. Jeden Tag ab 12 Uhr gibt es da ein kostenfreies Mittagessen. Ich werde ab und zu hingehen. Ich mag das nämlich: Ein leckeres Essen. Ein schönes Ambiente. Mit anderen Menschen zusammen am Tisch sitzen. Ob Spaghetti Bolognese oder Kartoffelbrei. Alles schmeckt besser, wenn mir jemand gegenüber sitzt. Und Vesperkirche stelle ich mir so vor: Ich höre zu und wir kommen ins Gespräch. Wie die Schülerin für den Klimaschutz demonstriert und dafür freitags nicht zur Schule geht. Was eine Grafikdesignerin beschäftigt oder wie es sich anfühlt, kein festes Dach über dem Kopf zu haben. Wem ein Rentner seine Zeit schenkt oder was eine Pfarrerin eigentlich montags macht. Was ein Altenpfleger sich für Braunschweig wünscht oder wie es ist, wenn das Geld immer knapp ist. Wir essen und reden. Wir öffnen zu Mittag eine Stunde unsere Ohren und unser Herz. Nächstenliebe heißt, den anderen groß sein lassen. Ihm einen Stuhl anbieten und sagen: Du bist ein gern gesehener Gast. Der Tisch ist gedeckt. Komm und setz dich! Also ich mache das.

Verfasser: Pfarrerin Maria Schulze