Propstei Braunschweig
30.03.19

Pröpstin Uta Hirschler am 30.03.2019 in der nb

Lebenswert

„In den USA wird Down-Syndrom von vielen Menschen mittlerweile ‚als ein zu bewältigender Unterschied aufgefasst und nicht mehr als ein unüberwindbares Problem‘.“ So lese ich im Internet und staune wie unterschiedlich die Lebenssituationen für Menschen mit Down-Syndrom auf der Welt sind. Anderswo ist das anders: In Russland und China z.B. gibt es kaum Förderung für diese Kinder.
Aktuell begegne ich bei uns wenigen Menschen mit dreifachem Chromosom 21. Aber wenn, dann bleiben sie mir in Erinnerung. Fast immer strahlen diese Menschen und verbreiten Glückseligkeit und Freude. So wie der Bruder einer Schulfreundin. Eigentlich sah ich ihn nur auf dem Tennisplatz. Wenn wir Training hatten oder übten, hing er auf der Anlage herum und machte sich nützlich. Gute Laune hatte er immer und gab, wenn er fröhlich war oder lachte, tiefe Juchzer von sich. Dann wussten alle, dass es ihm gut ging und freuten sich mit.
Inzwischen lässt sich der Defekt vor der Geburt auch mit einem Bluttest entdecken. In Deutschland wird gerade diskutiert, ob dieser Test für Risiko-Schwangere als Kassenleistung übernommen werden soll. Es heißt, dass 90% der Frauen, die mit Befund getestet werden, das Kind nicht zur Welt bringen.
„Das wäre doch nicht mehr nötig gewesen.“ – Die Befürchtung ist, dass am Ende der gesellschaftliche Druck so hoch wird, dass er den Frauen und Paaren eine eigene Entscheidung abnimmt. Wenn das so käme, wäre die Entscheidung für die Kostenübernahme des Testes schon eine darüber, dass dieses Leben nicht lebenswert sei. Wer aber kann solch ein Urteil fällen?
Als ich vor Jahren „risikoschwanger“ war, gab es nur die Fruchtwasseruntersuchung, die später durchgeführt wurde und riskanter war. Da kannte mich mein Arzt schon länger und sagte nur: „Ich biete Ihnen den Test nicht an, Sie würden Ihr Kind ohnehin behalten wollen.“









Verfasser: Pröpstin Uta Hirschler