Propstei Braunschweig
20.04.19

Im FSJ wurden die Weichen gestellt

Ein freier Beruf mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten: Julia Littmann studiert evangelische Theologie in Göttingen

Kreativ: die Theologiestudentin Julia Littmann und ihre ausdrucksstarken Fotos von Menschen aus der Stadt.

Als Julia Littmann nach dem Abitur ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Westlichen Ringgebiet absolviert hat, hat sie nicht nur eine ganz neue Welt kennengelernt, sie hat sich auch für ein Studium entschieden, das sie zuvor gar nicht in Betracht gezogen hatte: evangelische Theologie in Göttingen. Mittlerweile ist die 21-jährige im vierten Semester, hat alle erforderlichen Prüfungen in Latein, Griechisch und Hebräisch erfolgreich absolviert und kann sich jetzt auf die theologischen Inhalte konzentrieren. „Eigentlich war das FSJ eine Notlösung, weil aus dem von mir geplanten Auslandsjahr nichts geworden ist“, erzählt sie ganz offen, „und einen Bezug zur Kirche hatte ich auch nicht.“ Doch vor allem die Begegnungen mit Diakon Ulli Böß und den Pfarrern Christoph Berger und Friedhelm Meiners und deren offener und herzlicher Umgang mit anderen haben ihre Entscheidung beeinflusst. Und sie hat erkannt, dass der Beruf des Pfarrers oder der Pfarrerin trotz zunehmender Aufgaben in der Verwaltung viel Gestaltungsraum bietet: „Es ist ein sehr freier Beruf, bei dem man mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun hat und bei dem viel Kreativität gefragt ist, in den Texten, der Musik und der Kunst.“
Kreativität liegt der Studentin, sie malt und fotografiert gern und hat sich vor zwei Jahren an der Ausstellung „Altäre und Statuen“ in St. Michaelis beteiligt. Bei der Vesperkirche, die im März zwei Wochen lang in der Brüdernkirche stattfand, waren ihre ausdrucksstarken schwarzweißen Fotos zu sehen über Menschen, die auf der Straße leben, der Titel „Jeder sieht sie – keiner kennt sie“. Auch Gottesdienste und Lesungen hat sie bereits selbst gestaltet und für St. Michaelis hat sie ein Instagram-Portal eingerichtet, auf der Fotos aus dem Gemeindeleben zu sehen sind: von Kunstprojekten, Theatergruppen und vom Altenkreis. „Das zeigt, Kirche kann auch anders sein“, sagt Julia Littmann.
Und wie sieht sie ihre berufliche Zukunft? Da kommen für sie nach dem Examen vor allem zwei Möglichkeiten in Betracht: eine Stelle im Bereich Öffentlichkeitsarbeit oder eine Tätigkeit als Gemeindepfarrerin. Doch zuvor kann sie sich auf die brasilianische Stadt São Leopoldo freuen: Hier wird sie ein Auslandssemester an der theologischen Fakultät absolvieren in einem „spannenden Land“, in dem die Pfingstkirchen einen großen Zulauf erleben. Und sie kann damit ihren Traum von einem längeren Auslandsaufenthalt doch noch verwirklichen.

Info
Die Fotografien von Julia Littmann sind von Sonntag, 19. Mai, in der Braunschweiger St. Michaeliskirche, Echternstraße 12 zu sehen.

Verfasser: Rosemarie Garbe