Propstei Braunschweig
23.04.19

Pröpstin Uta Hirschler am 20.04.2019 in der nb

Der liebe Gott

Beim Ausgang der Vesperkirche sagte mir neulich ein Mann: „Nur über den lieben Gott müssen wir noch reden. Warum lässt er denn die vielen Kriege und alles andere zu? Auch heute noch, das sollte nicht sein!“ Wie recht er hat. Lebensfeindliches, Tödliches und unsagbar Ungerechtes erleben und erleiden Menschen in der Welt. Und jetzt brannte mit Notre-dame in Paris ein Gotteshaus. Schätze sind zerstört, die Menschen Gott zur Ehre schufen.
Ob Gott das so will? Oder warum er es zulässt? Oder warum Unfassbares geschehen darf und die Menschen die Freiheit haben, sich zu schaden und einander auszulöschen?
Wir wissen und erfahren die Antwort nicht. Wir wissen: Das Leid ist da, es wirkt in der Welt unter und in uns. Schaue ich darauf, so ist Gott mir fremd. Er wird mir ein unverstandener und manchmal auch ein unverstehbarer Gott. Kein Wunder, dass Jesus am Kreuz schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
So ist auch das Karfreitagsgeschehen: Ein einzelner Mensch erleidet Fürchterliches und wird gekreuzigt. Unschuldig ist er obendrein. Sein Tod ist grausam, ungerecht, unnötig. Gott bewahrt seinen Sohn nicht vor Leid - und auch nicht die Seinen oder ihr kostbares Gotteshaus.
Gestern war Karfreitag, morgen ist Ostern. Da zeigt sich: Gott sorgt dafür, dass im Tod das Leben weitergeht. Den scheinbar Verlassenen hatte Gott nicht verlassen. Unbemerkt blieb er im schlimmsten Moment nah.
Für die Menschen des Ostermorgens ist das verstörend und befreiend zugleich: Leben ist möglich, das die Bedingungen dieser Welt überwindet. Liebe wächst und wirkt, wo Leid und Unrecht herrschen und Erfolg fehlt. Das ist ein neues Leben, von Mitgefühl, Zutrauen und Freundlichkeit geprägt. So kann ich von Gottes Liebe reden, die Zuversicht und Lebensfreude schenkt.







Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin