Propstei Braunschweig
23.04.19

Ein Glückstag

Ostern ist wie ein Kratzbild, das mit Wachsmalern und Werkzeug entsteht. Am Karsamstag-Abend ist die oberste Schicht zu sehen: Alles schwarz. Erst wenn die schwarze Farbe planvoll beseitigt wird und darunter leuchtende Punkte, Striche und Flächen hervorkommen, wird das Bild hell, lebendig und erkennbar.
Im Dunkel des Samstags kann erste Vorfreude Fuß fassen - Ostern kommt! Der Blick wird fallen auf die Beschreibung des ersten Ostermorgens: Die Frauen finden das Grab Jesu leer. „Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“ Verwirrt, verängstigt, staunend entsteht ihr neuer Blick auf Gottes Wirklichkeit. Gott schafft Leben, das den Tod überwindet. Der Mann, in dem den Menschen so viel Nähe, Wärme und Freude begegnete, lebt und liebt noch immer. Sie dürfen sich erinnern und sonnen im alten Glück, Szenen voll Liebe und Glück in sich wach rufen. Dankbar genießen und neues Glück erwarten. Ein frohes Bild.
Ich erinnere mich an die alte Dame im Rollstuhl und an unseren letzten Besuch im Park. Sie nannte ihn „ihren“ Park, und genoss jeden Sonnenstrahl. Wie sie da saß und sich bescheinen ließ, sagte sie „Heute ist ein Glückstag.“ Ein halbes Jahr später war sie bettlägerig, wir erinnerten uns an den Ausflug und ihre Rede vom Glückstag. Es rührte sie, dass ich das noch wusste; sie fühlte sich wahrgenommen und verstanden; schon wieder ein Glückstag.
Zu meinem Osterbild gehören beide: Die Freude und Hoffnung in Jesu damaliger Nähe zu den Menschen und auch der Dank über selbst erlebte Glückstage, die kleine, alltägliche Liebes- und Hoffnungsmomente freilegen, mir Freude mitgeben und Lebendigkeit verleihen.












Verfasser: Pröpstin Uta Hirschler