Propstei Braunschweig
07.05.19

Wissenschaftler im Bischofsamt

Braunschweigischer Altbischof Prof. Dr. Müller feiert 90. Geburtstag

Altbischof Prof. Dr. Gerhard Müller. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig/Erlangen. Der ehemalige braunschweigische Landesbischof Prof. Dr. Gerhard Müller D.D. hat am Freitag, 10. Mai, in Erlangen seinen 90. Geburtstag gefeiert. Er hatte sein Amt nahezu zwölf Jahre lang inne, vom 1. Oktober 1982 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 31. Mai 1994. Während seiner Zeit im Braunschweiger Land verband der renommierte Kirchengeschichtlicher und Lutherforscher kirchenleitende Aufgaben mit seinem wissenschaftlichen Wirken. Müller ist unter anderem Herausgeber der Theologischen Realenzyklopädie, die als umfangreichstes theologisches Lexikon im deutschsprachigen Raum gilt. Bereits 1980 hatte ihm die schottische Universität St. Andrews die Ehrendoktorwürde verliehen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte dem früheren braunschweigischen Landesbischof. In Müllers Wirken habe "kontinuierliche theologische Reflexion mit Tiefgang und kirchenleitendes Handeln mit all seinen praktischen Alltagsanforderungen eine besondere Einheit erfahren", sagte Bedford-Strohm in Hannover. Das sei ein Anlass für große Dankbarkeit.

Bevor die braunschweigische Landessynode Müller zum Landesbischof wählte, war er 15 Jahre lang als Professor für Historische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg tätig. Sein Studium der Evangelischen Theologie hatte er in Marburg, Göttingen und Tübingen absolviert. Während seiner Zeit als Landesbischof wurde er Honorarprofessor an der Universität Göttingen. Außerdem amtierte er vier Jahre lang als Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. 1990 wurde er Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD), nachdem er bereits drei Jahre lang das Amt des Stellvertreters wahrgenommen hatte.

Zu einem Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Landesbischof zählte die Seelsorge an den Pfarrerinnen und Pfarrern und ihren Familien. In der Folge pflegt er bis heute enge Kontakte zu Menschen in der Region. Nach wie vor nimmt er regen Anteil am Leben in der Landeskirche und ist gut informiert über die Themen, die hier diskutiert werden. In einer gesellschaftspolitisch aufgeladenen und bereits von Kirchenaustritten geprägten Zeit, plädierte Müller für eine vertiefte Hinwendung zur christlichen Verkündigung. Bereits 1983 prognostizierte er, dass sich die Mitgliederzahlen innerhalb von 50 Jahren halbieren würden. So förderte er Initiativen, die den Kontakt mit den Mitgliedern intensivierten; unter anderem das missionarische Projekt „Neu anfangen“.

Dabei suchte er auch das Gespräch mit Menschen außerhalb der Kirchengemeinden, nicht zuletzt mit Führungskräften in der Region: Bürgermeistern und Landräten, Managern, Handwerksmeistern oder auch den Wissenschaftlern in den Forschungseinrichtungen. Zu den historisch prägenden Ereignissen in seiner Amtszeit zählte die Rückgliederung der Gemeinden in Blankenburg und Calvörde in die Landeskirche Braunschweig 1992 nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes. Sie lagen 40 Jahre lang auf dem Gebiet der DDR. Bereits am Tag der Grenzöffnung war der Landesbischof nach Blankenburg gereist, um die Gemeinden dort zu besuchen.

Aus Anlass des 90. Geburtstages von Altbischof Müller lädt die Landeskirche am 25. Juni um 17 Uhr zu einer besonderen Feierstunde in die Kirche St.Ulrici Brüdern (Schützenstraße) in Braunschweig ein. Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, hält zu Ehren des Jubilars einen Festvortrag. Zu der Feierstunde wird der Altbischof persönlich erwartet.

Predigt Landesbischof Meyns zum 90. Geburtstag von Landesbischof i.R. Müller

Verfasser: Michael Strauss