Propstei Braunschweig
25.05.19

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.“

Kennt man. Ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer unfreundlich zu anderen ist, muss sich nicht wundern, wenn andere es auch zu ihm sind. Oder schlicht und drastisch: Gewalt gebiert Gegengewalt. Die Gesellschaft als Echokammer. Es ist eine alte Lebenserfahrung, die schon in der Bibel kein Geheimnis ist: „Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm.” Ist wie ein Naturgesetz und funktioniert überall gleich. An der Supermarktkasse. Am Küchentisch. Im Büro.

Doch so einleuchtend die Redensart vom Echo im Wald zu sein scheint, so fragwürdig wird sie bei genauer Betrachtung. Vor allem verschweigt sie eine Frage. Bist du die Stimme, die ruft, oder bist du nur Echo, das widerhallt?

Es gibt ein entgegengesetztes Motto. Auch bekannt und eingängig. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Wie viele Menschen in Braunschweig haben diesen Vers wohl als ihren Tauf- oder Konfirmationsspruch? Man versteht ihn sofort. Er rät, auch im Konflikt souverän zu bleiben. Sich nicht zu simplen Affekt-Reaktionen hinreißen lassen. Das ist einfacher gesagt als getan, aber trotzdem richtig. Bin ich Echo oder Stimme?

Es liegt Größe und Kraft darin, wenn man sich dem entzieht, nur der Widerhall anderer zu sein. “Vergeltet nicht Böses mit Bösem, nicht Schimpfwort mit Schimpfwort, sondern segnet und wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.” Diese Stärke kommt nicht aus mir selbst. Das wäre übermenschlich. Sie kommt anderswoher. Sie ist ein Segen, der einen Namen hat. Jesus.

»Kommt zu mir, alle, die ihr euch abmüht! Bei mir könnt ihr euch erholen. Lernt von mir, denn ich sehe auf niemanden herab. Dann wird euer Herz Gelassenheit finden.«

Ich glaube, wir brauchen das.


Verfasser: Pfarrer Werner Busch