Propstei Braunschweig
29.06.19

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Sechs Tage lang ranklotzen. Kassieren. Forschen. Verwalten. Danach Wäsche waschen, Rasen mähen. Manchmal einfach nur funktionieren. Erst am siebten ist Ruhe. Gott hat es vorgemacht, sagt die Bibel. „… ruhte am siebten Tag.“ Gebot Nr. 3: Nachmachen!

Nochmal genau lesen … Die Schöpfungsgeschichte ist immerhin der „mächtigste Mythos der Menschheit“ (Alan Greenspan). Poetisch, bedeutungsschwer, seelentief. In ihr wird für die Phantasie alles auf Anfang gedreht und im Zeitraffer von 6+1 Tagen gezeigt. Stell dir die Braunschweiger Region vor, als hier noch nichts brunswickisch war. Urwald. Die Oker in sumpfigen Auen. Und noch früher: „Tohuwabohu“. Nur Gott und die Urflut. Geist über tosender Tiefe. Der Schöpfer ruft ins Chaos. Ruft Licht und Ordnung, Gestirne und Leben hervor. Und am Ende den Menschen. Dann: Sabbat. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Den Schöpfer nachahmen? Die Rolle ist zu groß und die Geschichte geht anders. Erst sein letzter Arbeitstag ist der Geburtstag des Menschen. Ergo: Tag eins für diesen frischgebackenen Erdling ist Gottes Ruhetag. Wo hat man das schon, dass man mit Urlaub seine Stelle antreten kann? Die Ironie dieser Beobachtung offenbart, wie selbstverständlich es umgekehrt bei uns läuft. „Erst die Arbeit …“. Du kriegst nichts geschenkt. Vertrauensvorschüsse sind gering und flüchtig.

Im biblischen Paradies ist es anders. Das gibt zu denken. Wann erholen wir uns am besten? Erst, wenn wir erschöpft aufhören? Reicht dann die Pause? Oder: Wenn wir mit Ruhe und Zeit etwas Neues beginnen? Warum heißt das Wochenende „Wochenende“ und nicht „Wochenanfang“? Es ist mehr als nur eine Kopfsache. Es ist die Sache Jesu. Auferstehung in die Ruhe am ersten Tag der Woche. Das Leben fängt mit einem Sonntag an.

Das bitte nachmachen!

 

Verfasser: Pfarrer Werner Busch