Propstei Braunschweig
23.09.19

Wagenheber des Glaubens

Der Wagenheber ist ein praktisches Ding. Kurz aus dem Kofferraum geholt, unter den Wagen gestellt und schon kann selbst der nicht so Praktische und nicht so Kräftige sein Auto in die Höhe wuchten, um die Räder zu wechseln. Jetzt ist es bald wieder so weit: Winterräder von O(ktober) bis O(stern)! Faszinierend so ein Wagenheber: Ein technisch ausgereiftes, kleines Ding, das Großes bewegen, stemmen kann. Nur bitte aufpassen: Der Untergrund muss fest und eben sein, damit das Projekt Reifenwechsel gelingt!
Musik ist so etwas wie ein Wagenheber für den christlichen Glauben. Sie berührt die Herzen. Eine Melodie sorgt dafür, dass die doch manchmal sperrige Botschaft direkt ins Herz geht. Und so kann auch jemand, der nicht Theologie studiert hat oder den Zugang zu manch biblischer Geschichte nicht findet, durch den Wagenheber Musik Zugang und gar Gewissheit im Glauben gewinnen.
Eigentlich ganz einfach: 12 Töne stehen zur Verfügung und doch lässt sich mit ihnen eine Vielfalt entwickeln, die Großes und Kleines in die Sprache der Musik bringen kann. Mindestens genauso genial wie der Erfinder des Wagenhebers sind deshalb Liederdichter, Melodienschreiber, Komponisten. Und nicht nur das Hören, sondern auch das Musizieren hebt die Herzen und berührt die Seele. Im gemeinsamen Musizieren öffnen sich Wege und Horizonte, die durchs Leben tragen.
Der Wagenheber hat es heute schwer: Die meisten lassen die Räder am eigenen Auto in der Werkstatt wechseln, Ersatzräder sind Schnee von gestern, da sich die Reifen selbst reparieren. Ein alltägliches Ding und der Umgang damit verschwinden mehr und mehr.
Möge es der Musik in der Kirche nicht wie dem Wagenheber ergehen. Viele musizieren in unseren Gemeinden und transportieren damit viel von der Bedeutung des Glaubens im Alltag und in besonderen Lebensmomenten. Und noch viel mehr hören die Musik, besuchen die Konzerte auf der Suche nach dem Erspüren des festen Grundes, der das Leben im Alltag trägt und hält. So ist und bleibt die Kirchenmusik ein wichtiges Ding zum Lobe Gottes und zur Erbauung der Gemeinde.       

 

 

Verfasser: Pfarrer Jens Paret