Propstei Braunschweig
30.09.19

Die Domführer vermitteln Kirche gestern und heute

Fast 40 Ehrenamtliche sind im Einsatz, um den Besuchern die Bedeutung des Doms nahe zu bringen

Kein Museum, sondern ein lebendiger Kirchenraum. Wer im Dom eine Führung leitet, hat es mit einem Sakralbau voller bedeutender Kunstschätze zu tun, aber eben auch mit einem Ort, an dem die Botschaft Christi verkündet wird. "Das ist eine ganz besondere Herausforderung", meint Matthias Hansmann, Leiter der Domführergilde.
Der Dom St. Blasii ist Gotteshaus und Touristenmagnet in einem, ist kultureller Anziehungspunkt und stadtgesellschaftlicher Treff für besondere Gelegenheiten. Die Domführergilde steht seit rund 15 Jahren mit Informationen rund um die Grablege Heinrichs des Löwen zur Verfügung. Fast 40 Ehrenamtliche sind derzeit im Einsatz, Interessierten den Dom in Führungen nahe zu bringen und den Besuch zu einem nachhaltigen, inspirierenden Erlebnis zu machen.
Gerade erst sind 18 neue Domführer hinzugekommen. Sie haben eine anspruchsvolle Schule durchlaufen, sich an sechs intensiven Samstagen informieren lassen. Da ging es um den Gedanken der Gastfreundschaft ebenso wie um den Pilgerweg Heinrichs des Löwen. Da ging es um Spiritualität im Raum und um mittelalterliche Frömmigkeit, um die Frage der geistlichen Verantwortung von Kirchenführenden als auch um die Kunstschätze wie das Imervard-Kreuz, den Marien-Altar oder den Siebenarmigen Leuchter. Die Ausbildung ist eine Kooperation zwischen Dom, der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen und der Kirchenpädagogik der Evangelischen Propstei.
600 Führungen im Jahr - das Pensum ist enorm, die Ansprüche der Gäste sind dabei recht unterschiedlich. Mal sprechen die Führenden vor Schülern, vielleicht aber auch mal vor Experten mittelalterlicher Kunst. Zu Besuch kommen Einheimische und Touristen, Schulklassen und Firmen, Konfirmanden und Familien.
Da braucht es leidenschaftliche und kompetente Mittler. "Es haben sich fast 50 Menschen gemeldet, um die Ausbildung zu durchlaufen", berichtet Kirchenpädagogin Gabriele Geyer-Knüppel. Da nur 25 Plätze für die Ausbildung zur Verfügung standen, ging es nach der Reihenfolge der Anmeldung. Immerhin 18 Absolventen sind bis zum Schluss dabeigeblieben. "Wir wollen den Besuchern des Domes erklären, was sie dort sehen, welche Bedeutung die Dinge haben oder früher mal hatten", erläutert die Kirchenpädagogin.
Matthias Hansmann hat die Erfahrung gemacht, dass immer weniger Menschen sich in den biblischen Geschichten auskennen. "Nicht jeder weiß, wer Noah oder Moses waren." Da tue einige Nachhilfe Not.
Die Domführer wollen Anregungen geben, ermuntern, sich tiefer in Geschichte des Doms zu vertiefen und seine Bedeutung für die Gläubigen heute. Klaus Wrede (61) ist neu im Team. Ihn hat es besonders fasziniert zu erfahren, welche Botschaften hinter den Kunstwerken stecken, welchen tieferen Sinn die Menschen im Mittelalter darin gesehen haben. "Allein die Deckenmalerei ist beeindruckend. Jeder Pinselstrich wurde bedacht gesetzt!" Wrede wird am Freitag seine erste Führung leiten. Lachend gesteht er: "Ein bisschen Bammel habe ich schon. Es wird eine Führung für das katholische Dekanat aus Magdeburg. Da ist Bibelfestigkeit gefordert."

 

Verfasser: Brg. Zeitung Ann Claire Richter