Propstei Braunschweig
02.10.19

Allen Seiten zuhören

Landesbischof Meyns diskutierte über Seenotrettung von Flüchtlingen

Landesbischof Dr. Christoph Meyns. Foto: Klaus G. Kohn

Braunschweig (epd). In der Diskussion über die Aufnahme von Flüchtlingen hat sich Landesbischof Meyns dafür ausgesprochen, ausgewogen allen Seiten zuzuhören. Allerdings dürfe nicht infrage stehen, dass Menschen in Seenot gerettet werden müssten, betonte der evangelische Theologe am 1. Oktober in Braunschweig bei einer Podiumsdiskussion in der Jugendkirche anlässlich der Aktion "Kirche trifft Seebrücke".

Meyns plädierte dafür, in der Frage die gesamtgesellschaftliche Debatte im Auge zu behalten. "Wir können nicht über Flüchtlinge reden, wenn wir nicht gleichzeitig über Verteilungsgerechtigkeit sprechen", sagte der Bischof. Auch Menschen, die AfD wählten, müssten ernstgenommen werden. Sie fühlten sich möglicherweise durch den Zuzug vieler Flüchtlinge bedroht.

Braunschweigs Sozialdezernentin Christine Arbogast (SPD) sagte, auch wenn die Ängste vieler Menschen unbegründet seien, müsse darüber eine ehrliche Diskussion geführt werden. "Der gesellschaftliche Konsens bröckelt, und es braucht beide Seiten." Die Stadt Braunschweig hatte sich zum "sicheren Hafen" für Flüchtlinge erklärt. Sie hatte damit ihre Bereitschaft bekundet, aus Seenot gerettete Menschen unterzubringen.

Der Bundessprecher des Bündnisses "Seebrücke", Sascha Schießl, begrüßte das Engagement der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), aktiv in die Seenot-Rettung einzusteigen: "Ein Schiff der EKD ist für Häfen schwieriger zu boykottieren." Schießl schlug vor, das Rettungsschiff "Jesus Christus" zu nennen: "Stellen Sie sich mal die Reaktion vor, wenn diesem eine Einfahrt verweigert würde." Die EKD hatte im September entschieden, gemeinsam mit anderen Organisationen ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen aus Seenot zu kaufen.

Die Aktion "Seebrücke" ist eine weltweite Bewegung, die von mehreren zivilgesellschaftlichen Akteuren getragen wird. Auf ihre Initiative hin haben sich in Deutschland bislang rund 50 Landkreise, Städte und Gemeinden zum "sicheren Hafen" erklärt, darunter auch Hildesheim, Osnabrück, Oldenburg, Bremen, Hannover und Göttingen.

In Braunschweig unterstützen mehr als 30 evangelische Gemeinden mit zahlreichen Veranstaltungen die Aktion "Kirche trifft Seebrücke". Viele haben orangefarbene Rettungswesten an ihre Kirchtürme gehängt, um auf das Schicksal von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam machen. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind seit 2014 seien bereits mehr als 17.000 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken.

Verfasser: Evangelischer Pressedienst