Propstei Braunschweig
12.10.19

Krankenbesuch

„Unter meinem Profilbild habe ich 37 Likes. Aber besucht haben mich bisher wenige.“ Hannes liegt seit zwei Wochen im Krankenhaus. Er hatte einen Unfall. Aus dem Krankenzimmer heraus postet er Fotos. Hannes im Bett. Hannes mit Kanüle im Arm. #krank. Darunter viele Smileys und kurze Textnachrichten. Hannes freut sich darüber. Doch es wäre auch schön, wenn ein paar mehr Leute ihn besuchen würden, erzählt er mir.
Wir reden miteinander. Ja, ein Krankenbesuch tut besonders gut. Ein vertrautes Gesicht, das durch die Tür kommt und lächelnd nach mir fragt. Das ist tröstlich. Jemand, der mir Käsekuchen mitbringt und Obst. Frische Wäsche und eine Gerbera für den Nachtschrank. Der mich von den anderen herzlich grüßt und erzählt, was draußen so los ist. Das ist aufmunternd. Zuweilen strengt ein Besuch auch an. Man ist ja noch nicht so fit. Deshalb genügt es auch, wenn man nur eine halbe Stunde da ist und dafür öfter kommt, findet Hannes.
Ich denke daran, dass ich Verständnis brauche, wenn ich krank bin. Einen Menschen, der mir zuhört. Der mich aushält, wenn es mir schlecht geht. An manchen Tagen möchte ich nämlich nicht kämpfen. Da will ich nicht, für wen auch immer, nach vorne gucken. Da möchte ich den Kopf hängen lassen und so sein dürfen, wie ich bin. Traurig. Frustriert. Ungeduldig.
Wer krank ist, braucht Weggefährtinnen und Mitstreiter. Die da sind und mit hoffen. Die beten, dass alles gut wird, wenn grade nichts gut ist. Und die sich mitfreuen, wenn die Wunden heilen und es bergauf geht. Hannes sagt zum Schluss: „Es gibt Menschen, die tun mir einfach gut, sobald sie in meiner Nähe sind. Die sind richtig heilsam.“ Das stimmt und wir überlegen beide: Vielleicht ist das auch gemeint, wenn es heißt, dass Jesus Menschen geheilt hat.

 

 

Verfasser: Pfarrerin Maria Schulze Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Braunschweig