Propstei Braunschweig
15.10.19

Antisemitismus weiter bekämpfen

Aktuelles Wort von der Kirchengemeinde St. Katharinen

Wir sind zornig, dass es am zurückliegenden 9. Oktober 2019 einen antisemitisch motivierten Anschlagsversuch auf eine Synagoge gegeben hat, bei dem Menschen getötet und verletzt wurden. Den Bürgern von Halle danken wir für ihre Besonnenheit und für die vielen öffentlichen Gesten der Trauer und des Zusammenhaltes in ihrer Stadt. Wir trauern mit ihnen um die getöteten Menschen und wünschen den verletzten Opfern Linderung und Heilung.

Der Verlauf der Tat ist verstörend und die Sorgen jüdischer Gemeinden sind nachvollziehbar. Wir stehen zu unseren jüdischen Partnern in mitmenschlicher Solidarität und treuer Verbundenheit. Uns leiten dabei auch religiöse Beweggründe, die uns in eine tiefe geistliche Geschwisterlichkeit zu unseren jüdischen Partnern stellen. Mit ihnen hoffen wir auf Gottes Schalom für sein Volk und für alle Völker. Evangelische Kirche und Theologie arbeiten seit Jahrzehnten daran, sich begründet von alten judenfeindlichen Denkweisen abzuwenden; in Lehre und Verkündigung setzen wir auf die unverbrüchliche Treue des Schöpfers zu seinen Bundesschlüssen. Auf dieser Grundlage wollen auch wir dazu beitragen, dass dem Antisemitismus in unserem christlich geprägten Land der geistige Nährboden entzogen wird. Wir wollen, dass jüdische Religion und Kultur sich wieder als selbstverständlicher und eigenständiger Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Deutschland entfalten können.

Wir finden es auf dem Hintergrund grundgesetzlich garantierter Religionsfreiheit nicht hinnehmbar, dass Menschen jüdischen Glaubens und ihre Gemeinden sich nicht so unbeschwert in Sicherheit wissen können, wie wir als Christen und Kirchengemeinden das in unserem Land weitgehend können. Wir bitten die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft, diesem unerträglichen Problem und seiner langfristigen Lösung hohe Priorität und Dringlichkeit einzuräumen. Wir suchen selbst Wege, als Evangelische Kirchengemeinde in unserem Umfeld daran mitzuarbeiten.

 

 

Verfasser: Kirchengemeinde St. Katharinen