Propstei Braunschweig
19.10.19

Ein letzter Liebesdienst für unbedacht Verstorbene

Gottesdienst in St. Petri erinnert an Menschen, die ohne Angehörige bestattet wurden

Sie ermöglichen Verstorbenen ohne Angehörige einen würdevollen Abschied (von links): Anke Geißler, Bodo Giesow, Rose Günther und Elisabeth Reiß.

Niemand sollte ohne Abschied gehen: ohne ein stilles Gedenken, eine Blume, einen Psalm, ohne tröstende Worte. Anke Geißler, Bodo Giesow, Rose Günther und Elisabeth Reiß wollen auch denjenigen einen würdevollen Abschied ermöglichen, um deren Beerdigung sich kein Hinterbliebener kümmert. Sie gehören zur „Begleitgruppe Bestattungen ohne Angehörige“ des Hospizvereins und gehen dann zum Friedhof, wenn niemand erwartet wird, keine Verwandten, keine Freunde, keine Nachbarn. „Mir ist es wichtig, den Toten mit Respekt zu begegnen“, sagt Rose Günther, „es ist ein letzter Liebesdienst.“
Alljährlich wird dieser Verstorbenen in Braunschweig in einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Petrikirche gedacht. Am Sonntag, 3. November, werden die Namen der Männer und Frauen verlesen, die in den vergangenen Monaten unbedacht bestattet wurden, für jeden entzünden die insgesamt 14 Mitglieder der Begleitgruppe eine Kerze. Sie sprechen die Fürbitten, die Predigt halten der katholische Propst Reinhard Heine und der amtierende evangelische Propst Peter Kapp.
Rund 150 Frauen und Männer, so schätzt Ulrich Kreutzberg vom Hospizverein, werden alljährlich in Braunschweig ohne Hinterbliebene bestattet, von manchen sind nur die Daten aus dem Personalausweis und das Sterbedatum bekannt. „Es ist Einsamkeit im Leben und Einsamkeit im Sterben“, sagt Elisabeth Reiß „Ich frage mich oft, wieso ist hier keiner?“ Bei manchen, so weiß Kreutzberg, sind die Angehörigen so alt und gebrechlich, dass sie den Gang zum Friedhof nicht mehr schaffen. Bei anderen gibt es Zerwürfnisse in der Familie oder die Hinterbliebenen wollen die Kosten für die Bestattung nicht übernehmen. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Begleitgruppe geben diesen Verstorbenen ein letztes Geleit und sorgen dafür, dass sie würdevoll und angemessen bestattet werden.
Gehören diese einer Kirche an, begleitet ein Pfarrer die Beisetzung. Bei den sogenannten Sozialbestattungen auf dem Städtischen Friedhof sind die Mitglieder der Begleitgruppe mit den Bestattern oder den Friedhofs-Mitarbeitern allein. Dann sagen sie Worte zum Abschied, legen eine Blume auf das Grab, sprechen einen Psalm. „Wenn ich vor einer Urne stehe, bin ich den Verstorbenen ziemlich nahe“, sagt Bodo Giesow. Ihn berührt vor allem das Schicksal derjenigen, die jung gestorben sind. Anke Geißler ist es ganz wichtig, innezuhalten und in Ruhe bei den Menschen zu sein. Sie bemüht sich, die Verstorbenen ohne Vorurteile zu verabschieden: „Ich versuche, nicht zu werten.“ Und noch eine Frage beschäftigt sie: „Was ist nach dem Tod? Ist dann alles vorbei?“
 
Info
Der Gottesdienst für unbedacht Verstorbene findet am Sonntag, 3. November, um 17 Uhr in der St. Petrikirche, Lange Straße 33, statt.
Die Begleitgruppe Bestattungen ohne Angehörige freut sich über weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wer die Gruppe unterstützen will, möge sich beim Hospizverein melden, Telefon 0531-16477.

 

 

 

Verfasser: Rosemarie Garbe