Propstei Braunschweig
20.11.19

Buß- und Bettag und meine guten Vorsätze

„Ich habe mir vorgenommen: Ich nehme fünf Kilo ab. Es fehlen noch sieben...“
Mit den guten Vorsätzen ist das so eine Sache: Abnehmen, mehr Bewegung, weniger Alkohol... Wir wollen das wirklich, aber wir schaffen es einfach nicht, im Kleinen wie im Großen.
Ja, es muss was passieren! Wir müssen unseren Lebensstil ändern! Aber wie?
Die große Geste scheint es nicht zu sein. „Ab jetzt wird alles anders“ funktioniert einfach nicht. Trotz aller guten Vorsätze: Ich bleibe, der ich bin. Schon die kleinste Abweichung wirft mich aus der Bahn: Ich laufe einen Tag nicht – da kann ich es auch gleich ganz lassen! Schon bin ich wieder im alten Trott.
Buß- und Bettag.
„Kehrt um! Lebt anders!“ Das ist der Anspruch dieses Tages. Aber wie soll das gehen, wenn ich es schon im Kleinen nicht schaffe?
Und die anderen schauen mit Argusaugen. Sie finden deine Fehler: „Dein großes Auto, die Kreuzfahrt... So wirst du die Welt nicht retten!“
Aber Umkehr heißt eben nicht „Es wird sofort alles anders!“
Umkehr heißt: Ich ändere die Richtung. Ich entferne mich langsam, Schritt für Schritt, von meinem alten Leben. Der Weg ist steinig. Ich werde immer wieder stolpern. Aber das macht nichts, solange die Richtung stimmt.
Mit der großen Geste ist es nicht getan. Die kleinen Schritte helfen.
Der Meditationslehrer John Kabat Zinn gibt seinen Schülern folgenden Rat: Wenn du anfängst zu meditieren, dann erzähl es nicht groß rum. Tu es für dich, im stillen Kämmerlein. Sonst brauchst du viel zu viel Energie, um den anderen zu erklären, warum du das tust – und sie werden dich beobachten, auf jeden Fehler achten. Erwarte nicht zu viel.
Veränderungen dauern lange. Aber das ist egal, solange die Richtung stimmt.
 

 

Verfasser: Friedhelm Meiners, Pfarrer an St. Martini