Propstei Braunschweig
14.12.19

Das Weihnachtsgefühl

Jedes Jahr warte ich darauf. Auf das Weihnachtsgefühl. Genau beschreiben kann ich es nicht. Ich weiß nur, dass ich es als Kind immer hatte. Je älter ich wurde, desto schwieriger wurde es mit meinem Weihnachtsgefühl. Immer häufiger schien es mir abhandengekommen. Obwohl ich mich im ganzen Alltagsgetümmel wirklich ins Zeug legte. Ich wurde rastlos vor lauter Sehnsucht. Trotz allem Muh, Mäh und Täterätätä. Vom besinnlichen Weihnachtsgefühl oft keine Spur. Es gab Jahre, da stellte ich am ersten Weihnachtsfeiertag enttäuscht fest: Ich war nicht angekommen in dieser besonderen Zeit des Jahres.
Seitdem fange ich klein an. Weil alles klein anfängt. Wie Gott. In der Krippe. Für mein Weihnachtsgefühl heißt das: Ich sammle lauter kleine Adventsmomente. Sie wirken eher unspektakulär. Doch ich traue den kleinen Momenten Großes zu. Und so halte ich in diesen Tagen Ausschau nach den kleinen Augenblicken und horche mehr in mich hinein. So oft es geht, zünde ich abends die Kerzen am Adventskranz an und lese eine schöne Geschichte. Ich bummele mal alleine über den Weihnachtsmarkt und freue mich, wenn ich beim Adventskonzert in der Kirche den letzten Klappstuhl erwische. Ich backe Omas Mohnstolle und erinnere mich dabei an Zeiten und Menschen, die nicht mehr sind. Im Krankenhaus besuche ich eine Patientin und wir summen und singen zusammen ihr Lieblingsweihnachtslied. Beim Nachhauselaufen zähle ich in meiner Straße die kleinen Herrnhuter Sterne in den Fenstern und erfreue mich an ihrem Licht. Und in zehn Tagen höre ich dann die Weihnachtsgeschichte und bekomme hoffentlich wieder Gänsehaut an der Stelle mit den himmlischen Heerscharen. Und dann, da vertraue ich einfach mal drauf, wird es schon kommen. Mein Weihnachtsgefühl.

 

 

 

Verfasser:  Pfarrerin Maria Schulze Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Braunschweig