Propstei Braunschweig
21.12.19

Eine gute Tat

Elf Kilometer, so lang ist ihr Weg zur Arbeit. Sie geht ihn jeden Tag zu Fuß. Morgens hin, abends wieder zurück. So erzählt es die Kellnerin einem Ehepaar, das sie beim Frühstücken bedient. „Es geht nicht anders“, sagt sie, „ich muss ja Zuhause auch meine Rechnungen bezahlen, darum bin ich froh über diese Arbeit.“ Und dann sagt sie noch: „Ich spare auf ein Auto. Dann haben meine Wandertage vielleicht bald ein Ende.“

Das Ehepaar zahlt und geht – und kehrt nach einer Stunde zurück. Vor der Tür steht nun ein Auto. Das schenken sie der Kellnerin. Und sie sagen: „Das ist für Sie! Tun Sie, bitte, auch mal eine gute Tat. Mehr wollen wir nicht.“ Das verschwinden die beiden Unbekannten.

Das ist eine wunderbare Adventsgeschichte, so geschehen Anfang Dezember in den USA und dann in den Medien schnell weitererzählt. „Eine gute Tat“ - mehr erhofft sich das Ehepaar nicht, das einer Kellnerin ein Auto schenkt. Ich verstehe das so: Sei selbst auch mal ein kleines Wunder. Manches ist nicht so schwer, wie es zunächst aussieht. Und wenn du den ersten Schritt gewagt hast, fällt vielleicht auch ein etwas größeres Wunder leichter als gedacht.

Einfach mal anders ein, die alten Kämpfe ruhen lassen: den Dauerstreit in der Familien, den Zwist unter Kollegen oder Nachbarn. Manchmal geht das, wenn man es will - und sich ein paar Gedanken macht, wie es anders laufen könnte als sonst immer.

Und auch das geht, wenn man es sich vornimmt: Einfach mal so sein, als leuchte uns die Welt. Als sei Gott uns ganz nahe. Ist er ja auch, wenn wir es sehen wollen. Wo Liebe leuchtet zwischen Menschen, wo wir alte Sachen begraben und einander verzeihen, ist Gott nahe, weiß die Bibel.

Advent ist Wunderzeit. Ein kleines Wunder zu sein, geht immer - auch bei uns.

Verfasser: Henning Böger, Pfarrer