Propstei Braunschweig
04.01.20

Du bist einzigartig!

Ein Schallbecher ist der vorderste Teil eines Blasinstruments. Man kann auch Schalltrichter dazu sagen. Dieser prägt und verstärkt den Klang des Instruments. Mit ihm ist festgelegt, ob der Ton eher hart, strahlend oder weich klingt. Der Mensch hinterm Mundstück des Instruments kann piano oder forte spielen, an der Artikulation der Töne etwas verändern zwischen abgesetzt und gebunden, aber den Klang kann sie oder er nicht verändern. Den gibt das Instrument vor. Und unterschiedliche Instrumente haben unterschiedliche Klänge. Eine Trompete klingt beispielsweise anders als ein Flügelhorn. Und sie soll ja auch anders klingen. Deshalb gibt es ja verschiedene Instrumente, damit eine große Vielfalt von Klängen möglich ist und zusammenkommt. Nur so ist „Symphonie“, schöner Zusammenklang der Einzelnen, möglich.   
In unserem Zusammenleben vergessen wir das oft. Wir wünschen uns wie andere zu sein oder anders zu „klingen“, als wir es nun mal tun. Oder wir versuchen anderen vorzuschreiben, wie sie zu klingen haben – möglichst nicht anders als wir. Doch beides ist nicht gut, weil es uns selbst nicht guttut und dem auskömmlichen Zusammenleben aller auch nicht.
Der Schallbecher erinnert uns daran: Veränderst du nachträglich den vorgegebenen Klang deines Instruments, nimmst du ihm seine Identität, seine Einzigartigkeit. Im schlimmsten Fall zerstörst du sie.
Dabei weißt Du es doch: Du, Mensch, bist Gottes geliebtes, einzigartiges Geschöpf und auf diese Einzigartigkeit kommt es an. Sie macht das Zusammenleben reicher, interessanter, lebendiger. Du musst nicht sein wie die anderen, schon gar nicht, wie andere dich zwingen wollen. Wenn Du demnächst mal wieder einen der 13 Posaunenchöre in unserer Stadt hörst oder andere Musik, dann möge es Dich an Deine Einzigartigkeit erinnern. Ein Lied sagt es so: „Du bist Du, das ist der Clou!“ Und wir brauchen als Gemeinschaft deine Stimme, deinen Klang für ein gutes Zusammenleben unter uns, in unserer Gesellschaft, mit allen anderen, die dazu gehören oder auch neu dazukommen. Wir brauchen Dein Du für unser Wir.  

 

 

Verfasser: Pfarrer Jens Paret