Propstei Braunschweig
25.01.20

Nette Kollegen

Die Schlange an der Kasse wird immer länger. So kurz nach Feierabend ist der Laden voll. Ich lege zwei, drei Sachen aufs Band und will schnell weiter. Doch es geht nicht vorwärts. Ungeduldig schaue ich nach vorn. Es kassiert ein Azubi. Behutsam scannt er die Artikel. Er achtet genau auf das Rückgeld. Freundlich wünscht er jedem Kunden einen schönen Abend, wenn er den Kassenbon überreicht. Neben ihm sitzt seine Kollegin. Sie erklärt ihm die Arbeitsschritte. Bei jedem Kunden neu. „Lass dich nicht aus der Ruhe bringen.“ sagt sie lächelnd. „Du machst das gut.“ Sie drängelt ihn nicht und greift ihm nicht dazwischen. Sie lässt es ihn auf seine Art machen.

Ich bin irgendwie angerührt. Der Mann vor mir auch. Wer wünscht sich nicht so eine nette Kollegin? Es macht einfach mehr Spaß in einem guten Team zusammenzuarbeiten. Eine Studie hat herausgefunden, dass Mitarbeitende, die einen guten Kollegenzusammenhalt haben, weniger an Stress leiden und viel lieber zur Arbeit gehen. Sich aufeinander verlassen können und Loyalität spüren. Das ist schön. Wertschätzend sein und gegenüber der Kollegin auch mal anerkennen, wenn ihr ein Projekt besonders gut gelungen ist. Bei Missverständnissen respektvoll und sachlich bleiben. An den Geburtstag des Kollegen denken. Und mal Hilfe anbieten, wenn Not am Mann ist. Ein gutes, kollegiales Miteinander können Chefinnen und Vorgesetzte übrigens nicht verordnen. Das fängt bei jedem selber an. Möchte ich ein gutes Arbeitsklima, dann kann ich mich fragen: Was trage ich dazu bei? „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.“ empfiehlt die Bibel. Eine gute Regel. Und Kollegialität – das ist eigentlich auch ein schönes Wort für Nächstenliebe.

 

 

 

 

 

Verfasser: Pfarrerin Maria Schulze Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Braunschweig