Propstei Braunschweig
01.08.20

Neuanfänge

Ich stehe in der Dachgeschosswohnung und streiche eine Wand. Draußen scheint die Sonne, es ist sehr warm. Wenn wir die Wände gestrichen haben, muss noch ein Boden verlegt werden, eine Küche eingebaut und das Bad erneuert. Aussortiert und entrümpelt haben wir schon.
Im März ist die Besitzerin plötzlich verstorben. Als Familie liegt es nun an uns, die Wohnung wieder bewohnbar zu machen.
Es fühlt sich an wie ein Abschied in Raten. Die Trauerfeier war im März, damals noch mit zwanzig Menschen. Am nächsten Tag waren Trauerfeiern nur noch im engsten Kreis erlaubt. Die Wochen danach verbrachten wir allein. Wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt das eine Lücke, die nicht zu füllen ist. Gefühle wie Trauer, Wut und Ohnmacht brechen auf. Uns fehlten die Gespräche, der Austausch, der Trost - denn plötzlich war ja alles anders. Durch die Pandemie fehlten die sozialen Kontakte.
„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich.“ (Ps 23,4)
Die Beisetzung war schließlich vier Monate später im Juli. Wieder mit zwanzig Menschen, dieses Mal auch mit der ersehnten Gemeinschaft. Es gab die ersten Umarmungen nach vielen Wochen.
Nun renovieren wir die Wohnung, wir schaffen einen neuen Anfang. Der Abschied braucht seine Zeit. Mir hilft es, Gott dabei an meiner Seite zu wissen, mit seinem Stecken und Stab.

 

 

 

Verfasser: Pfarrerin Johanna Klee


Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Eiermarkt 3, Braunschweig
Pfarrerin Sabine Wittekopf
Bugenhagenkirche
Propst Lars Dedekind
Pfarrerin Sandra König, Martin Chemnitz
Pfarrerin Johanna Klee; Theologisches Zentrum Braunschweig