Propstei Braunschweig
10.10.20

Wie man Menschen glücklich macht

Man kann Menschen glücklich machen: Kinder und Erwachsene. Und das ist gar nicht so schwer, sagt der Hirnforscher Gerald Hüther. Denn glücklich wird, wer so sein darf, wie er ist!

Der bekannte Wissenschaftler sagt das zunächst über Eltern im Gegenüber zu ihren Kindern. Aber ich finde, wir dürfen diesen Gedanken ruhig viel grundsätzlicher hören für den Umgang von Menschen untereinander: Man wird glücklich, wenn man sein darf, wie man ist.

Oft machen wir Menschen es leider anders. Wir sagen zu unseren Kindern oder Enkeln: „Natürlich haben wir dich lieb, aber bitte: Zieh dich doch anders an; träum‘ doch nicht so viel; sorge für ein gutes Zeugnis.“ Das bringt oft eher Unzufriedenheit als Glück hervor. Auch Erwachsene können das gut, dieses Ansprüche Stellen aneinander.

Gerald Hüther mahnt: Menschen empfinden heute so viel Druck und erleben so viele Ansprüche von allen Seiten, dass es oft eine große Befreiung sei, wenn man sein darf, wie man ist:  Kinder, die noch spielen dürfen; Erwachsene, die nicht immer von anderen erzogen werden; kleine und große Menschen, die sich nicht fortlaufend gegenüber anderen behaupten müssen.

Im Grunde ist das schon eine alte biblische Einsicht. Kurz und bündig formuliert lese ich sie in Psalm 139: „Ich danke dir, Gott, dafür, dass ich so wunderbar gemacht bin!“ Für mich ist das einer der schönsten, weil ermutigendsten Bibelsätze überhaupt: Vor jedem „Du musst“ steht bei Gott das „Du bist“: angenommen und wertgeschätzt mit deinen starken Seiten und schwachen Momenten, deinen Möglichkeiten und dem, was dir unmöglich ist.

In biblischer wie neurologischer Hinsicht gilt: Es macht uns Menschen glücklicher, wenn wir empfinden: Ich darf sein, wie ich bin! Und ich kann doch jeden Tag anders, vielleicht auch besser werden. Aber eben nicht unter Druck oder weil die Liebe anderer davon abhängt.

Das allein schon ist Glück: Zu wissen, man genügt!

Verfasser: Pfarrer Henning Böger


Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Eiermarkt 3, Braunschweig
Pfarrerin Sabine Wittekopf
Bugenhagenkirche
Propst Lars Dedekind
Pfarrerin Sandra König, Martin Chemnitz
Pfarrerin Johanna Klee; Theologisches Zentrum Braunschweig