Propstei Braunschweig
21.11.20

Gedanken zum Totensonntag

Ich habe einen sehr bodenständigen Opa. Wie viele seiner Generation, musste er als Jugendlicher aus der Heimat im damaligen Schlesien fliehen. Das Landwirtschaften, das dort sein Leben bestimmte, hat er nie aufgegeben, auch wenn es dann nur noch im eigenen Garten geschah. Irgendwann starb seine Frau. Und irgendwann einige Jahre später sitzen wir zusammen und er sagt: „Letzte Nacht habe ich sie wieder gehört.“
Im Schlaf, im Traum, in deinem Kopf? Innerlich oder äußerlich?


Das waren meine Fragen. Aber er konnte sie nicht beantworten. Niemand kann das.
Es ist Kennzeichen mystischer Erfahrung, dass die Dimensionen verschwimmen. Raum, Zeit, Innen, Außen. Auch Paulus im Neuen Testament beschreibt das so:
„Ich kenne einen Menschen - ob im Leibe oder außer dem Leibe, weiß ich nicht; Gott weiß es - , der in das Paradies entrückt wurde.“
Wer kann letztgültig sagen, ob die Wahrnehmung einer Präsenz dem Innen oder Außen entspringt? Oder ob es auch geistige Körper gibt, wie Paulus behauptet: „Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so auch einen geistigen.“
Was man sicher sagen kann ist, dass geliebte Menschen Teil der inneren Wirklichkeit bleiben.
Sie leben im Herzen und Gedenken.


Und wenn wir Menschen tatsächlich Geliebte Gottes sind – was mir manchmal zu glauben schwer fällt, bei allem menschlichen Irrsinn – dann bleiben wir in seinem Herzen und werden in und durch Christus leben... ob im Leibe oder außer dem Leibe, weiß ich nicht; Gott weiß es.
 

Verfasser: Pfarrerin Sandra König


Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Eiermarkt 3, Braunschweig
Pfarrerin Sabine Wittekopf
Bugenhagenkirche
Propst Lars Dedekind
Pfarrerin Sandra König, Martin Chemnitz
Pfarrerin Johanna Klee; Theologisches Zentrum Braunschweig