Propstei Braunschweig
09.01.21

Sehnsucht nach Frieden

Immer noch stehen wir am Anfang dieses Jahres. Vorsätze und Wünsche geistern durch die Medien, finden sich in den Grüßen, die wir einan-der geschickt haben, haben sich bei uns selbst in Herz und Hirn ein-genistet. Neben dem Wunsch nach Liebe, liebvollem, barmherzigen be-handelt Werden und selber Handeln ist da der Wunsch, die Sehnsucht nach Frieden ganz vorne. Wann endlich? Wann endlich wird Frieden sein? Es ist gerade einmal gute zwei Wochen her, da haben wir die Ankunft des Friedefürsten gefeiert. Jedes Jahr zu Weihnachten heißt es „Ja, er kommt, der Friedefürst“ in dem Lied „Tochter Zion“. Seit 2000 Jahren feiern wird diesen Friedensbringer. Und auch schon vor-her sehnten sich die Völker danach: „Lass die Berge Frieden bringen für das Volk und die Hügel Gerechtigkeit!“ betet Psalm 72. Aber wo bleibt er denn, der Friede?
Die täglichen Nachrichten berichten uns etwas anderes als Frieden. Viel zu viele Kriege oder bewaffnete Konflikte oder was es sonst noch für Umschreibungen geben mag… Und auch im Alltag scheint es in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Hauptsache ICH bekomme genug oder zuerst oder das Beste oder das Günstigste. Egal, wie es den an-deren dabei geht, ich bin mehr wert! Nach dem zynischen Motto: Wenn jeder an sich selber denkt, ist auch an alle gedacht. Und außerdem: Schuld sind sowieso immer die anderen. In diesen Wochen mit verlän-gertem Lockdown und dem Warten auf die Impfung werden die Zeiten und inneren Stimmungen auch nicht ruhiger. Da ist eine Basis für fried-liches Miteinander mühsam zu finden. Aber genau diese Mühe brauchen wir!
Wie so oft hilft da das Zeigen auf die anderen nicht weiter. Gottes Friede fängt bei uns, bei mir selbst an. Versuchen wir doch mal, selbst den ersten Schritt zu gehen. Nicht immer uns vom Egoismus leiten lassen, nicht immer auf unser Recht pochen, sondern auch an-deren den Vorrang einzuräumen, uns für andere stark zu machen. Dann kommen wir dem Frieden – mindestens im eigenen Umfeld – etwas näher. Endgültig und vollkommen gibt es den Frieden auf Erden vielleicht nicht. Aber besser werden kann es bestimmt.   

Verfasser: Pfarrer Jens Paret


Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pfarrer Henning Böger, St. Magni
Propst Lars Dedekind
Pfarrerin Johanna Klee, Theologisches Zentrum Braunschweig
Pfarrerin Sandra König, Martin Chemnitz
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini
Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage
Pfarrerin Sabine Wittekopf Bugenhagenkirche
Foto: Anne Hage