Propstei Braunschweig
29.11.21

Zwischen Hoffen und Bangen

Wort zum Sonntag am 1. Advent

Es wird Advent. Der Weihnachtsmarkt hat seit Mittwoch geöffnet. Die Buden sind aufgebaut, Plätze und Läden dekoriert. Heute Abend um 18:00 Uhr wird wie jedes Jahr für 15 Minuten das große Stadtgeläut erklingen und damit die Adventszeit einläuten. Zuhause wurde dekoriert, Plätzchen gebacken, der Adventskranz gesteckt. Und morgen am 1. Advent laden die Kirchen zu ihren Gottesdiensten. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“, so wird dort zumeist voll Inbrunst und Freude gesungen. Es ist die Zeit des hoffnungsfrohen Wartens. - Eigentlich!

In diesem Jahr ist es anders. Die Sorge treibt uns um. Wir erleben einen gänzlich anderen Advent. Einen Advent zwischen Hoffen und Bangen. Wir sind verunsichert. Was geht? Was müssen wir unbedingt unterlassen? Wir sind genervt und wütend über all das, was uns jetzt schon wieder genommen wird! Vielleicht mache ich meinem Unmut Luft und suche Verantwortliche? Jemanden der Schuld hat an der Misere: Politiker und ihre Entscheidungen, Impfgegner, die ihre persönlichen Befürchtungen über die Verantwortung für die Gemeinschaft stellen. Wir müssen aufpassen, dass wir uns als Gesellschaft nicht weiter entzweien. Aber wie die Sorgen und Ängste der anderen wahrnehmen, wenn ich selber angstgesteuert bin?

Wir brauchen Orientierung! Wir brauchen Hoffnung – gerade jetzt! Aber wir brauchen keine billige Vertröstung. Wir brauchen die Ermutigung zu einer Hoffnung, die stark macht. Die uns neu zueinander führt. Die uns trägt, wo wir schwach sind, und uns beflügelt, wo wir selber aktiv werden können und sollen. Das ist das, worauf die Adventszeit zielt, wenn sie die Ankunft Gottes und seiner Gerechtigkeit verheißt.

„Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsere Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.“

Lars Dedekind, Propst

 

Verfasser: Lars Dedekind, Propst


Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pfarrer Henning Böger, St. Magni
Propst Lars Dedekind
Pfarrerin Johanna Klee, Theologisches Zentrum Braunschweig
Pfarrerin Sandra König, Martin Chemnitz
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini
Pfarrer Jakob Timmermann, St. Michaelis
Pfarrerin Sabine Wittekopf, Bugenhagenkirche
Foto: Anne Hage
Pfarrerin Maria Schulze, Krankenhausseelsorge am städtischen Klinikum Braunschweig
Pfarrerin Elke Rathert, ev.-luth. Landeskirche Braunschweig und Krankenhausseelsorgerin im Marienstift
Pfarrerin Kerstin Vogt, Direktorin des Theologischen Zentrums und der Abt Jerusalem Akademie Braunschweig