Propstei Braunschweig

Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pröpstin Uta Hirschler
Pfarrer Wolfgang Jünke, Martin Chemnitz, Lindenberg, Möncheweg 56
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Altstadtmarkt, Eiermarkt 3
Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrerin Johanna Klee, St. Pauli-Matthäus, Jasperallee 14, 38102 Braunschweig
02.09.17

Der Kreis der Tyrannen

Vor dem Altar der St. Martin Kirche stehen für vier Wochen fünf riesige, schwarze Gestalten mit Schwertern. Sie ziehen alle Blicke auf sich.
Der Künstler Torsten Koch dachte bei seiner Arbeit zunächst an die Tyrannen in uns selbst: Unsere Ängste und Sorgen, unsere erstarrten Vorstellungen vom Leben, unser Glaube an die Macht und den Tod. Martin Luther hat gegen all diese Teufel sein Tintenfass an die Wand geworfen.
Doch das ist nur die eine Seite. Als wir die Ausstellung planten, ahnten wir nicht, wie aktuell sie sein würde. Der Kreis der Tyrannen. Männer, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die drohen, denen der Frieden und die Menschen völlig egal sind. Fünf sind schnell genannt. Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass so etwas möglich ist.
Die Mitte zwischen den fünf düsteren Gestalten ist leer. Dort steht nichts.
Was verteidigen sie?
Die Freiheit? Ihre Nation? Die guten alten Werte? Der Künstler meint: nichts. Sie stehen nur für sich selbst. Wie die Dämonen in unserem Inneren, die uns quälen und nicht in Ruhe lassen. Sie ziehen alle Blicke auf sich, lassen erstarren. Ihre Macht scheint unbegrenzt.
Torsten Koch hat noch ein zweites Werk ausgestellt: einen Läufer aus 365 Mandalas in leuchtenden Farben. Man sieht sie nicht, wenn man in die Kirche kommt. Sie liegen im Nordschiff auf dem Fußboden. Dieser Schatz will gefunden werden. Auch das ist ja ein Teil meines Lebens: die feine, zarte Schönheit, die Farben des Lebens. Doch wie oft nehme ich sie nicht wahr. Die Tyrannen stellen sich in den Weg. Wollen alle Aufmerksamkeit für sich.
Auch daran erinnert der Künstler: Ja, das Leben ist schön! Lass dich nicht gefangen nehmen von den Tyrannen der Welt und auch nicht von denen, die in dir lauern.




Verfasser: Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini