Propstei Braunschweig

Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pröpstin Uta Hirschler
Pfarrer Wolfgang Jünke, Martin Chemnitz, Lindenberg, Möncheweg 56
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Altstadtmarkt, Eiermarkt 3
Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrerin Johanna Klee, St. Pauli-Matthäus, Jasperallee 14, 38102 Braunschweig
07.10.17

Fair behandelt

„Wer arbeitet, soll mehr Geld in der Tasche haben als der, der nicht arbeitet!“
„Fleiß muss sich auszahlen.“ Und: „Mühe lohnt!“ Soziale Gerechtigkeit hat in vielen Köpfen ihre feste Logik und klare Maßstäbe. Und doch merken wir, dass diese Logik Risse bekommen hat, Maßstäbe ins Schwimmen geraten.
Viele Menschen können trotz Mindestlohn nicht von ihrer Arbeit leben. Und nie waren Einkommen und Reichtum lokal und global so ungleich verteilt wie in unserer Zeit. Ist das fair?

Das ist eine von vielen Fragen, welche die Faire Woche 2017 in zahlreichen Veranstaltungen gestellt hat.* In diesem Jahr gehörte in Braunschweig neben einem großen Kunstprojekt der Ricarda-Huch-Schule auch ein Gottesdienst in St. Magni dazu. In dessen Zentrum stand das Gleichnis Jesu von den Arbeitern im Weinberg. Es geht so: Ein Weinbergbesitzer stellt über den Tag verschiedene Arbeiter an. Am Abend erhalten alle denselben Lohn: jenen Silbergroschen, den er den ersten Arbeitern versprochen hatte, die er bereits am Morgen in den Weinberg schickte. Diese fühlen sich nun ungerecht behandelt. Ist das fair, fragen sie, dass sie den ganzen Tag hart gearbeitet haben und nun nicht mehr bekommen als die, die weitaus weniger gearbeitet haben? Aber der Weinbergbesitzer lässt sich nicht beirren. Niemandem werde hier Unrecht getan: „Seid ihr nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nehmt, was euer ist, und geht! Ich will diesen letzten dasselbe geben wie euch. Oder seht ihr scheel drein, weil ich so gütig bin?“

„So geht fair bei Gott“, sagt Jesus: Jeder soll haben, was er zum Leben braucht. Niemand soll am Ausgang dieser Geschichte hungrig zu Bett gehen müssen. Und indem Jesus erzählt, entsteht so etwas, wie eine konkrete Utopie (Danke, Ernst Bloch!): vom fairen Handeln miteinander, von einer anderen Perspektive auf das, was gerechtes Leben für alle heißt. Und plötzlich steht eine Frage im Raum: Können wir selbst uns denn darüber freuen, dass hier alle das bekommen, was sie zum Leben brauchen? Nachlesen lohnt sich: im Matthäusevangelium, Kapitel 20.

*Informationen zur Fairen Woche auf www.fair-in-braunschweig.de

Verfasser:7 Pastor Henning Böger, St. Magni