Propstei Braunschweig

Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pröpstin Uta Hirschler
Pfarrer Wolfgang Jünke, Martin Chemnitz, Lindenberg, Möncheweg 56
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Altstadtmarkt, Eiermarkt 3
Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrerin Johanna Klee, St. Pauli-Matthäus, Jasperallee 14, 38102 Braunschweig
11.11.17

Sorry, liebe Karnevalsfreunde

Ich bin –da bitte ich alle anders Fühlenden um „Verzeihung“- eher ein Karnevalsmuffel. Darum schreibe ich dazu nichts, obwohl ja heute am 11.11. für viele die sogenannte „Fünfte Jahreszeit“, also der besagte Karneval beginnt.
Ich erinnere jedoch gerne an etwas anderes, was mit diesem Datum zusammenhängt. Denn es ist heute der kirchliche Gedenktag des Heiligen Martin von Tours. Am 11.11.397 ist er verstorben. Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass er auch nach 1620 Jahren noch vielen im Lande bekannt ist. Es gibt auch Martinsumzüge für Kinder, manchmal auch begleitet von einem Pferd mit samt seinem Reiter. Das erinnert daran, dass Martin ein berittener Soldat der damaligen römischen Streitmacht war. Die Überlieferung besagt: Als er einst ein Stadttor passieren musste, kauerte dort unter dessen Bogen ein in bitterer Kälte schon halberfrorener Bettler. Martin nahm ihn wahr, teilte mit seinem Schwert seinen Umhang und warf dessen eine Hälfte dem Notleidenden zu. Er erfüllte damit das Wort Jesu aus Matthäus 25: Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Diese Tat der christlichen Nächstenliebe ist zum
dauerhaft gebliebenen Beispiel geworden! Und das auch über alle späteren konfessionellen Grenzen hinweg.
Als die Braunschweiger Martinikirche am Altstadtmark 1617-21 eine neue Kanzel bekam, also etwa 100 Jahre nach der Reformation, da wählten die Verantwortlichen ohne Probleme den aus katholischer Zeit stammenden Namenspatron ihrer Kirche als Kanzelträgerfigur, weil auch die lutherische Lehre den Heiligen eine wichtige Funktion zubilligte! Nicht die einer Vermittlung bei Gott, wohl aber die des Vorbildcharakters für das praktische Leben der Gläubigen. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert.

Verfasser: Pfarrer Wolfgang Jünke