Propstei Braunschweig

Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pröpstin Uta Hirschler
Pfarrer Wolfgang Jünke, Martin Chemnitz, Lindenberg, Möncheweg 56
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Altstadtmarkt, Eiermarkt 3
Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrerin Johanna Klee, St. Pauli-Matthäus, Jasperallee 14, 38102 Braunschweig
02.12.17

Wohnen im Wort - Eine Geschichte zum Advent

In einem Satz wohnten zu einer bestimmten Zeit einige Wörter so, wie Menschen in einer Straße wohnen. In dieser Satzstraße also wohnten folgende Wörter: „Bei uns herrscht Frieden.“

Jedes dieser Wörter lebte gerne unter den anderen und war glücklich, dass es zum ganzen Satz beitragen konnte. „Bei“ sagte zu den anderen: „Wie schön ist es, dass wir miteinander leben.“ Und „uns“ sagte zu seinen Freunden: „Ich bin froh, dass ich alles zusammenfüge.“ So ging es auch den übrigen. Sie bildeten eine richtige Gemeinschaft.

Eines Tages kamen zwei neue Wörter in die Satzstraße. Sie kamen von weither und hießen „for ever“. Die Einheimischen meinten, dies seien ja fremde Wörter. „Die riechen schon so komisch“, sagte „Frieden“. „Die sehen auch so aus“, sagte „bei“. „Die können wir hier nicht brauchen!“, sagte „uns“.
„Wir sollten sie höflich, aber bestimmt verabschieden“, schlug „herrscht“ vor.
So taten sie sich zusammen und versuchten, den beiden Fremdwörtern klarzumachen, dass sie hier nichts zu suchen hätten. „Wissen Sie, bei uns ist jede Stelle im Satz schon besetzt. Und außerdem kann Sie ja niemand verstehen. Und schließlich und überhaupt haben Fremdwörter hier nun wirklich nichts zu suchen. Verstehen Sie bitte recht, es ist kein böser Wille, aber …“

Während sie noch so argumentierten und dabei ihre Plätze verließen, huschten andere Wörter an ihre Stelle. In die Wohnung von „bei“ zog „gegen“, in das Appartement von „uns“ zog „alle“, in das Zimmer von „herrscht“ zog „wütet“ und in das Haus von „Frieden“ hielt „Hass“ Einzug. Ehe sich die einheimischen Wörter richtig besinnen konnten, war aus ihrer Satzstraße eine hässliche Satzfratze geworden: „Gegen alle wütet Hass!“

Da erkannten die ehemaligen Bewohner der Satzstraße, wie schön es gewesen wäre, wenn sie die fremden Wörter bei sich aufgenommen hätten: „Bei uns herrscht Frieden, for ever!“ Nun aber war es zu spät. Der wunderbare Satz vom „Frieden bei uns for ever“ muss sich seitdem den Sprachraum mit anderen, hässlichen Sätzen teilen, wohnt nur noch zur Untermiete, jederzeit kündbar und darauf angewiesen, dass wir ihm Wohnrecht geben unter uns.

Diese und weitere Geschichten zum Advent auf www.friedenslicht.de.

Verfasser: Pfarrer Henning Böger