Propstei Braunschweig
11.06.18

Thomas Müller, die kostbare Perle und das Reich Gottes

„Papa, jetzt fehlen mir nur noch drei!“ Bruno strahlt vor Freude. Er hat soeben das große Los gezogen: Ein Schulfreund hat ihm seine doppelten Sammelkarten der deutschen Nationalmannschaft geschenkt. Und jetzt fehlen nur noch drei: zwei Mittelfeldspieler und der Stürmer Thomas Müller! „Das wird schwer“, sagt unser Sohn fachmännisch, denn: „Müller ist echt selten!“ Aber daran stört er sich jetzt nicht weiter, zu groß ist die Freude über das unverhofft gefüllte Sammelalbum. Damit hat er nicht gerechnet.

Ob es dem Kaufmann, von dem Jesus in einem kurzen Gleichnis erzählt, ähnlich ergangen ist? Sein Leben lang suchte dieser schöne Perlen. Als er eine besonders wertvolle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte dafür diese eine kostbare Perle (nachzulesen im Matthäusevangelium im 13. Kapitel).

So ist das auch mit dem Reich Gottes, sagt Jesus: Es braucht in dir eine Haltung, die nicht auf das eigene Machen setzt, sondern darauf, dass die vom Reich Gottes – von der kostbaren Perle – ausgehende Kraft dein eigenes Leben durchdringt und verändert; es braucht in dir die Sehnsucht danach, von etwas oder jemandem mitgerissen, ganz und gar in Anspruch genommen zu werden.

Sich dann der Kraft des Fundes, also des Reiches Gottes, auszusetzen, sich von ihr ergreifen zu lassen, das macht die damit verbundene Freude und das Glück aus. Freude und Glück nicht zuletzt auch deshalb, weil es nicht darum geht, dieses Reich selbst zu schaffen, sondern darum, es auf sich wirken zu lassen.

„Jetzt fehlen mir nur noch drei!“, sagt Bruno zuversichtlich. Und wir beiden haben etwas verstanden: Beim Suchen und Sammeln braucht es Geduld. Die fehlende Fußballkarte kann man sich nicht einfach herbeizwingen, auch mit viel Einkaufsgeld der Eltern nicht. Und dann braucht es auch etwas Glück und vor allem ein Gegenüber, das großzügig gibt, was man zu finden wünscht. Das Reich Gottes. Die wertvolle Perle. Das überwältigende Glück. Gesucht und gefunden. Eine Geschichte mit Happyend. Auch wir suchen noch, denn Thomas Müller ist schwer zu finden.

Verfasser: Henning Böger, Pfarrer an St. Magni


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