Propstei Braunschweig
02.11.19

Dies ist Schoschanas Geschichte

Es gibt Geschichten, die sind so schön, dass man sie einfach weitererzählen muss. Auch diese ist es: die Geschichte von Schoschana Ovitz.

Vor einigen Tagen wurde sie 104 Jahre alt. Sie hat sich für diesen Geburtstag etwas Besonderes ausgedacht. Sie feiert mit etwa 400 Familienmitgliedern, Kindern, Enkeln, Ur- und Ururenkeln, ihren Geburtstag in Jerusalem, an der Klagemauer auf dem Tempelberg. Diese Mauer ist nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 nach Christus stehengeblieben. Oft sehen wir sie im Fernsehen und erkennen, wie Menschen vor ihr beten und kleine Zettel in die Mauerritzen stecken. Auf diesen Zetteln stehen Klagen, Dank und Bitten an Gott.

Schoschana Ovitz will nicht klagen. Sie und ihre große Familie wollen Gott danken und loben. Als junge Frau hat sie ihre Mutter im Konzentrationslager Auschwitz verloren. Sie aber überlebt, gründet später eine große Familie und erlebt den reichen Segen Gottes, wie sie sagt. Ihr ältester Enkel sagt nach dem Fest an der Klagemauer: „Alle hatten Tränen in den Augen, so bewegend war es.“

Was für eine Geschichte vom Triumph des Lebens! Schoschana Ovitz überlebt als junge Frau die Hölle und feiert fortan das Leben, feiert Gott, der sie trug und trägt. Der Mut, die Kraft und die Dankbarkeit dieser alten Frau sind ansteckend.

Oft rätseln wir darüber, warum Gott Böses zulässt. Wir fragen dann mit Recht nach dem „Warum?“, aber wir erhalten womöglich keine Antwort. „Dann bleibt nicht bei der Frage stehen“, sagt die Geschichte von Schoschana Ovitz: „Ihr könnt Schritte wagen über das Böse hinaus.“ Es hilft oft mehr, dem Schmerz zu trotzen, als sich ihm hinzugeben. Und das Leben zu feiern, wann immer es möglich ist. Weil Gottes Segenskraft darin stärker ist als das Böse. Wer Gott klagen, loben und danken kann, der hat den ersten Schritt getan hat, um dem Schmerz die Stirn zu bieten. Ein Gedanke, den nachzuempfinden es lohnt!

 

 

 

Verfasser: Henning Böger, Pastor an St. Magni


Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrerin Johanna Klee, St. Pauli-Matthäus, Jasperallee 14, 38102 Braunschweig
Pfarrerin Maria Schulze, Klinikum Holwedestraße und Herzzentrum Kinikum Salzdahlumer Straße
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Eiermarkt 3, Braunschweig
Pfarrer Werner Busch, St. Katharinen, Hagenmarkt, Braunschweig
Amtierender Propst Peter Kapp, Pfarrer an St. Andreas