Propstei Braunschweig
09.11.19

Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!

Menschen unterschiedlicher Herkunft werden friedlich zusammenleben. Tödliche Waffen werden zu lebensstärkenden Ackergeräten. Unglaublich. Wer die Zeitung aufschlägt oder die Nachrichten sieht, liest ganz andere Meldungen. Die Zukunft scheint düster zu sein. Jede und jeder schaut nur auf sich. Andere sind keine Bereicherung, sondern ungeliebte Konkurrenz. Macht statt Ausgleich, Krieg statt Frieden, Gewalt statt Dialog.
„Es wird sein in den letzten Tagen“ heißt ein Lied in unserem Evangelischen Gesangbuch, das als Wochenlied sicherlich morgen in vielen Gottesdiensten auch in unserer Stadt gesungen wird. Der mecklenburgische Landesjugendpfarrer Walter Schulz, Jahrgang 1925, hat es auf dem Hintergrund eigener Erfahrungen mit Krieg und Gefangenschaft gedichtet. In der Friedensbewegung der DDR wurde es zu einem wichtigen Lied. Der Text greift auf biblische Bilder zurück, die der Prophet Jesaja verkündigt hat: Die Völker kommen aus allen Himmelsrichtungen zusammen; niemand wird mehr Waffen trage; Schwerter werden zu Pflugscharen; keiner lernt mehr Krieg; Gott wird seine Welt bewahren. Die Worte klingen utopisch. Aber für die Bibel und auch für unseren christlichen Glauben heute ist es eine reale Hoffnung.
Heute ist der 9. November. Ein Tag der Mahnung für uns. Nie wieder darf es zu Pogromen kommen. Für mich verbunden mit der Verpflichtung, in unserer Zeit den Anfängen zu wehren. Gleichzeitig ist dieser Tag ein Tag der Dankbarkeit und Freude über die friedliche Revolution in der DDR vor 30 Jahren. Der Mut und die Energie in weiten Teilen der Bevölkerung dort sollten uns immer wieder Vorbild sein und Mut machen, uns für Demokratie, Freiheit, Würde, Menschenrechte in unserer Zeit einzusetzen und unser Leben mit diesen Werten zu gestalten.
Lassen wir uns nicht von der Finsternis lähmen! Geben wir der Angst vor der Zukunft keine Macht über uns! Wir haben eine Hoffnung. Das Lied sagt es so: Weil Gott in dieser Welt ist, müssen wir nicht resigniert die Hände in den Schoß legen, sondern können mutig und getrost Frieden leben. „Kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“

 

Verfasser: Pfarrer Jens Paret


Diese Pfarrer/innen schreiben in der Samstag-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung das "Wort zum Sonntag"

Pfarrer Jens Paret, St. Johannes Hondelage, Johannesweg 4
Pfarrer Henning Böger, St. Magni, Hinter der Magnikirche 7, 38100 Braunschweig
Pfarrerin Johanna Klee, St. Pauli-Matthäus, Jasperallee 14, 38102 Braunschweig
Pfarrerin Maria Schulze, Klinikum Holwedestraße und Herzzentrum Kinikum Salzdahlumer Straße
Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini, Eiermarkt 3, Braunschweig
Pfarrer Werner Busch, St. Katharinen, Hagenmarkt, Braunschweig
Amtierender Propst Peter Kapp, Pfarrer an St. Andreas