Propstei Braunschweig

Kolumbarium war ursprünglich die Bezeichnung für einen Taubenschlag (lateinisch columbarium, zu columba Taube). Wegen der optischen Ähnlichkeit wurden auch altrömische Grabkammern mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen zur Aufnahme von Urnen so benannt.

Das Kolumbarium auf dem Hauptfriedhof Braunschweig befindet sich im Ostflügel der Hauptkapelle in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs. Das Gebäude wurde um 1885 von Ludwig Winter im Stil des Historismus entworfen und aufwändig ausgestaltet. Die Mittelachse wird durch einen Säulengang geprägt. Auf den Säulen aus Mainsandstein sitzen Kapitelle aus Kalkstein mit floralen Schmuckelementen. Die hell verputzten Wände und Decken treten in Kontrast zu den aus Ziegeln gemauerten Gurtbögen der Gewölbe. Die farbigen Bleiglasfenster werfen bei Sonnenschein Lichtreflexe in den Innenraum und den gefliesten Boden. Dieser Raum bildet den würdevollen Rahmen, in den die bewusst schlicht gehaltenen Urnenwände in Natursteinoptik eingefügt wurden. Der ursprüngliche Raumeindruck bleibt erhalten, da die Urnenwände von Besuchern überblickt werden können.

Jede der sechs Urnenwände verfügt beidseits über mehrere Nischen zur Aufnahme von Urnen. Die Nischen sind so konzipiert, dass sie entweder zwei oder eine Urne aufnehmen können. Die Grabkammern sind innen mit Buchenholz ausgekleidet. Bei der Urnenbeisetzung wird der warme Farbton des Holzes sichtbar und macht die letzte Ruhestätte zu einem geborgenen Raum. Alle Grabkammern werden dauerhaft mit Namensplatten in Natursteinoptik verschlossen, so wie beim traditionellen Grab die Gruft als sichtbares Zeichen der Abschiednahme vom Verstorbenen verschlossen wird.

Den Urnenwänden sind Sitzbänke zugeordnet, die ein Verweilen und Gedenken an die Verstorbenen ermöglichen. Das Kolumbarium wird über eine Treppenanlage im Torbogen des Ostflügels betreten. Im Vorraum befindet sich links ein kleiner Raum, der für Urnenfeiern und -aussegnungen genutzt werden kann.