Propstei Braunschweig
09.11.19

Interessiert an Menschen und deren Leben

Jetzt geht es um die Praxis: Gesine Meier ist Vikarin in der Kirchengemeinde Weststadt

Vikarin in der Weststadt: Gesine Meier ist mit Berufswahl sehr zufrieden.

Abwechslung, Kontakt zu Menschen, viele Herausforderungen, erfüllende Aufgaben und keine Langeweile – Gesine Meier ist mit ihrer Berufswahl sichtlich zufrieden. Seit März ist sie Vikarin in der Kirchengemeinde Weststadt, um im Alltag die Kompetenzen zu erwerben, die sie für ihren späteren Beruf braucht. Ganz wichtig dabei: Sie muss ihre Rolle und ihren eigenen Stil als Pfarrerin finden. „Ich muss hinter dem stehen, was ich mache“, betont die 29-jährige.
Nach einem anspruchsvollen Studium in Berlin und dem nicht weniger anspruchsvollen Examen an der theologischen Fakultät der Uni Göttingen geht es jetzt um die Praxis: um die Gestaltung von Andachten und Gottesdiensten, um Trauergespräche und Seelsorge, Taufen, Trauungen, aber auch um die Vermittlung religiöser Themen in Kitas und an Schulen. Nicht zu vergessen: die Verwaltung. „Das lernt man leider nicht im Studium“, bedauert Gesine Meier. Besonders spannend findet sie die Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Personen. „Ich bin neugierig auf die Menschen und auf deren Biografien“, sagt sie. „Und ich freue mich auf die Vielfalt.“
Das Rüstzeug für diese Aufgaben bekommt sie am Predigerseminar in Loccum, gemeinsam mit weiteren angehenden Pfarrerinnen und Pfarrern aus anderen Landeskirchen. Hier werden die Erfahrungen besprochen, die die Berufsanfänger vor Ort machen, um Theorie und Praxis zu vereinbaren. Und es geht es um grundlegende Dinge, etwa um Seelsorge, Atemübungen, Schreib- und Sprachtraining, teils vermittelt von einem professionellen Schauspieler.
Einen ersten Kontakt zur Kirche hat Gesine Meier im 400-Einwohner-Dorf Liedingen bei Vechelde gehabt. Hier wurde sie konfirmiert, sie hat in einem Kirchenchor gesungen und hat als Schülerin gemeinsam mit ihrer Freundin die Aufgaben einer Küsterin übernommen. Die Pfarrerin betreute neben Liedingen noch zwei weitere Dörfer, Jugendarbeit gab es kaum. Da ist die Gemeinde in der Weststadt ganz anders aufgestellt mit Pfarrerin und Pfarrer, Diakon und Kantorin, und Gesine Meier genießt den Kontakt und die Gespräche mit den vielen Mitarbeitern und Gemeindegliedern.  
Und wie sieht sie ihre berufliche Zukunft?
Trotz hervorragender Berufsaussichten schätzt Gesine Meier diese angesichts der rückläufigen Mitglieder in der Kirche durchaus kritisch ein: „Ich frage mich schon, wie mein Berufsbild im Jahr 2030 aussieht.“ Künftig, so ihre Einschätzung, werden neue Wege erforderlich sein, um jüngere Menschen in der Kirche zu halten, gleichzeitig sollen Traditionen bewahrt werden. Ein Grund, der Kirche den Rücken zu kehren, ist diese Entwicklung allerdings nicht. „Diese Zahlen sind erschreckend“, sagt die Vikarin, „mich haben sie aber bestärkt, dabei zu bleiben.“

Verfasser: Rosemarie Garbe